Von der F-47 gab es nur Skizzen, nun könnte der streng geheime Kampfflugzeug-Prototyp zwei Youtubern vor die Infrarotlinse geflogen sein. Glück oder eine Inszenierung?

Da haben die beiden Macher des Youube-Kanals „The Fear Project“ möglicherweise einen Scoop gelandet. Der Kanal bedient die typischen Mystery-Themen rund um Geistererscheinungen, Verschwörungen und Aliens. In der Szene der Plane-Spotter, also der Menschen, deren Hobby es ist, Flugzeuge zu beobachten und zu fotografieren, sind sie unbekannt. Dieses Mal lagen die beiden Amerikaner mit einer 200-Dollar-Infrarotkamera einen Monat lang nahe der berühmten Area 51 auf der Lauer – und hatten Glück. So scheint es jedenfalls.
Die Area 51 im US-Bundesstaat Nevada ist ein sagenumwobenes Testgelände der US-Luftwaffe. Seit den Fünfzigerjahren werden hier Prototypen getestet, etwa die ersten Stealth-Flugzeuge wie die F-117 und die B-2. Verschwörungstheoretiker sind fest davon überzeugt, dass auf der Luftwaffenbasis auch an Aliens geforscht wurde. Oder noch wird? (Lesen Sie auch: Boeing F-47 : Mystery-Blogger filmen nahe Area-51…)
In einer Nacht überflog tatsächlich ein ungewöhnliches Flugobjekt den Camper der Blogger. Die Aufnahmen der normalen Kamera zeigen eine helle Lichtquelle, die einen gebündelten Lichtstrahl nach vorn wirft, ähnlich einem Landescheinwerfer am Bugrad von Militärjets. Die sonst bei Nachtflügen üblichen Positionslichter sind ausgeschaltet. Die für Militärjets typischen Triebwerksgeräusche sind nicht zu hören, dafür umso lauter die aufgeregten Kommentare der beiden Youtuber. Die eigentliche Sensation offenbart jedoch das unscharfe Thermalbild der Infrarotoptik.
Zu sehen ist darauf ein Flugzeug, das weder bei der US-Luftwaffe noch als bekanntes Testflugzeug im Einsatz ist. Die schwarzen Umrisse zeigen eine Maschine ohne Seitenleitwerk, mit nach unten abgewinkelten Tragflächen und Canards auf Höhe des Cockpits. Eine solche Form war bislang nur auf Konzeptzeichnungen zu sehen, zuletzt bei der Vorstellung der F-47. Das streng geheime Kampfflugzeug sollte sich eigentlich noch in der Prototypenfertigung und nicht in der Luft befinden.
Die F-47: Trumps Prestige-Kampfflugzeug
An der F-47 wird bereits seit Längerem gearbeitet; das Konzept ging als Sieger aus der Ausschreibung „Next Generation Air Dominance“ (NGAD) hervor. Ab 2030 soll sie die F-22 Raptor ersetzen oder diese als unbemannter Begleiter unterstützen. Die Entwicklung steht unter Zeitdruck, seit US-Präsident Donald Trump das, wie er sagt, „beste und tödlichste Flugzeug der Welt“ zu einem seiner Lieblingsprojekte erkoren hat. (Lesen Sie auch: Stecker Kabel:, Handy: So Laden Sie)
Die voraussichtliche Typenkennung spielt auf seine Präsidentschaft an: Trump ist der 47. Präsident der Vereinigten Staaten, 2029 endet seine Amtszeit. Es sei ihm wichtig, sagte er bei der Vorstellung des Konzepts im März vergangenen Jahres, dass der Prototyp der F-47 noch abhebt, bevor er das Weiße Haus verlässt. Falls das Projekt scheitere, würde er die Zahl 47 wieder entfernen lassen, ließ Trump in einem Beitrag auf X durchblicken.
Air-Force-Experte vermutet bewusste Täuschung
Was die beiden Youtuber nun tatsächlich gesehen haben, bleibt ein Rätsel. Der Militärblogger und ehemalige F-15-Pilot Ryan Bodenheimer ist skeptisch. Es sei schon merkwürdig, sagt er auf seinem Youtube-Kanal, wenn ein streng geheimes Kampfflugzeug nachts mit grellen Landescheinwerfern im langsamen Tiefflug über einen einsamen Camper in der Wüste fliege und dort zufällig von zwei Influencern mit einer Billig-Infrarotkamera festgehalten werde.
Vielleicht müsse man da, wie bei einem Schachspiel, etwas weiterdenken. „Die US-Behörden wissen sehr genau, wer sich wann in der Umgebung des Testgeländes aufhält. Das ist nicht schwer in Erfahrung zu bringen“, sagt Bodenheimer. Die Aufnahmen seien vor fast zwei Monaten gemacht worden; er könne sich daher vorstellen, dass die Veröffentlichung mit Wissen der Regierung geplant gewesen sei. Vielleicht um auf die kurz zuvor veröffentlichten Aufnahmen der chinesischen Jets J-50 und J-36 zu reagieren. Die beiden Hightech-Flugzeuge gehören ebenfalls zur sechsten Generation. Sie sollen sowohl mit Piloten als auch unbemannt fliegen können, über Stealth-Eigenschaften verfügen und wahrscheinlich Drohnen als Begleiter steuern können. (Lesen Sie auch: Ranking Beliebteste: Für 2025: Vornamen)
Oder doch etwas anderes?
Es kann aber auch ein vollkommen anderes Flugzeug gewesen sein. Die Silhouette ähnelt stark dem X-36-Projekt von Boeing. Mit dem kleinen, ferngesteuerten X-Plane wurden ab 1997 für die Nasa die Flugeigenschaften von Flugzeugen ohne Seiten- und Höhenleitwerk erprobt – so, wie es bei der F-47 sehr wahrscheinlich sein wird. Das Online-Magazin „Futurezone“ hält das X-Plane-Szenario für denkbar. Mit dem Technologiedemonstrator könne man schon jetzt Erfahrungen mit den beiden Triebwerken sammeln, so das Magazin. Gegen diese These spricht indes die Größe der X-36, sie ist lediglich sechs Meter lang mit einer Spannweite von drei Metern. Für die flugphysikalische Erprobung ausreichend, für die Triebwerke der F-47 deutlich zu klein.

Doch ganz gleich, was es war: Die Konzepte für das Kampfflugzeug der Zukunft aus den USA, China und dem in dieser Woche gescheiterten europäischen FCAS-Projekt läuten das Ende des klassischen Dogfighters ein. Sie werden unbemannt operieren, von KI-Drohnen als „loyale Wingmen“ begleitet werden und weitgehend unsichtbar sein. Das Wettrüsten auf diesem Gebiet der Hochtechnologie tragen vorrangig die USA und China aus.
Ursprünglich berichtet von: Stern (Lesen Sie auch: Telefon Betrüger: -: „Silent Calls“: Was es)






