Startup Deutschland: Nur Hälfte Würde Wieder Hier Gründen?

Startup Deutschland steht vor einer Zerreißprobe: Nur etwa die Hälfte der Gründerinnen und Gründer würde sich aktuellen Umfragen zufolge wieder für den Standort Deutschland entscheiden. Dies ist ein deutliches Signal, das auf die Herausforderungen und Verbesserungspotenziale im deutschen Startup-Ökosystem hinweist.
louvre direktorin rücktritt

Startup Deutschland steht vor einer Zerreißprobe: Nur etwa die Hälfte der Gründerinnen und Gründer würde sich aktuellen Umfragen zufolge wieder für den Standort Deutschland entscheiden. Dies ist ein deutliches Signal, das auf die Herausforderungen und Verbesserungspotenziale im deutschen Startup-Ökosystem hinweist.

Symbolbild zum Thema Startup Deutschland
Symbolbild: Startup Deutschland (Bild: Picsum)

Die wichtigsten Fakten

  • Nur 50% der Start-ups würden wieder in Deutschland gründen.
  • 20% der Start-ups würden ein anderes EU-Land bevorzugen.
  • 11% der Start-ups würden ein Land außerhalb der EU wählen.
  • In den USA flossen 2025 pro Kopf über 700 Euro in Start-ups, in Deutschland nicht einmal 90 Euro.
Unternehmen: Details
Umsatz: Variabel, abhängig vom Startup
Gewinn/Verlust: Oft Verluste in der Gründungsphase
Mitarbeiterzahl: Durchschnittlich 10-50 in frühen Phasen
Branche: Software, E-Commerce, Fintech, KI
Veränderung zum Vorjahr: Heterogen, stark wachsend bis stagnierend
Politik: Details
Maßnahme: Förderprogramme für Start-ups
Betroffener Bereich: Finanzierung, Regulierung, Infrastruktur
Volumen: Mehrere Milliarden Euro jährlich
Ab wann: Laufende Programme, neue Initiativen geplant
Wer profitiert/verliert: Start-ups profitieren, Zögerer verlieren

Warum zögern Start-ups bei der Standortwahl Deutschland?

Die Gründe für diese Zurückhaltung sind vielfältig. Ein wesentlicher Faktor ist der Mangel an Wagniskapital. Deutsche Start-ups haben zwar relativ leicht Zugang zu Kapital in der Frühphase, aber bei größeren Summen, die für Expansionen benötigt werden, sind sie oft auf ausländische Investoren angewiesen. Dies führt dazu, dass ein Großteil der Wertschöpfung und der strategischen Entscheidungen ins Ausland verlagert wird.

Ein weiterer Hemmschuh ist die komplexe Bürokratie. Deutsche Gründer klagen über langwierige Genehmigungsprozesse und eine überbordende Regulierung, die es ihnen schwer macht, schnell und flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren. Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland hier oft schlechter ab als andere innovationsfreundliche Standorte.

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland wird von den Start-ups ebenfalls gespalten wahrgenommen. Während ein Drittel (35 Prozent) im vergangenen Jahr eine Verbesserung sah, empfand fast ebenso viele (30 Prozent) eine Verschlechterung. Für die übrigen 35 Prozent blieb die Lage unverändert. Diese Unsicherheit trägt dazu bei, dass viele Gründer den Standort Deutschland kritisch hinterfragen. Wie Stern berichtet, fürchtet rund jedes elfte Startup binnen zwölf Monaten die Insolvenz.

📊 Zahlen & Fakten

In den USA flossen 2025 pro Kopf mehr als 700 Euro in Start-ups, in Großbritannien fast 300 Euro und in Frankreich mehr als 100 Euro. In Deutschland waren es nicht einmal 90 Euro.

Wie steht Deutschland im internationalen Vergleich da?

Deutschland hat in den letzten Jahren zwar Fortschritte bei der Förderung von Start-ups gemacht, aber im internationalen Vergleich besteht weiterhin Nachholbedarf. Besonders deutlich wird dies beim Zugang zu Wagniskapital. In den USA und Asien sind die Investitionsvolumina deutlich höher, was es Start-ups dort ermöglicht, schneller zu wachsen und international zu expandieren. Auch die steuerlichen Rahmenbedingungen und die Flexibilität des Arbeitsrechts spielen eine wichtige Rolle. (Lesen Sie auch: His & Hers Serie: Sensationeller Start verdrängt…)

Ein Blick auf die Innovationskraft anderer Länder zeigt, dass Deutschland von deren Erfahrungen lernen kann. So haben beispielsweise Israel und Estland durch gezielte Förderprogramme und eine innovationsfreundliche Gesetzgebung ein florierendes Startup-Ökosystem geschaffen. Auch die skandinavischen Länder sind für ihre hohe Lebensqualität und ihre Unterstützung von Unternehmertum bekannt.

Historisch gesehen hat Deutschland immer wieder Phasen erlebt, in denen Innovationen ausgebremst wurden. Im späten 19. Jahrhundert beispielsweise verpasste das Deutsche Reich den Anschluss an die Elektromobilität, weil es zu lange auf die Dampfmaschine setzte. Um nicht erneut den Anschluss zu verlieren, ist es wichtig, dass Deutschland jetzt die richtigen Weichen stellt.

Welche Rolle spielt die Politik bei der Startup-Förderung?

Die Politik spielt eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung des Startup-Ökosystems. Durch gezielte Förderprogramme, steuerliche Anreize und den Abbau bürokratischer Hürden kann sie dazu beitragen, dass Deutschland für Gründerinnen und Gründer attraktiver wird. Ein wichtiger Schritt wäre beispielsweise die Einführung eines vereinfachten Genehmigungsverfahrens für innovative Geschäftsmodelle.

Zudem sollte die Politik den Zugang zu Wagniskapital verbessern. Dies könnte beispielsweise durch staatliche Beteiligungen an Venture-Capital-Fonds oder durch die Förderung von Business Angels geschehen. Auch die Zusammenarbeit zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen sollte gefördert werden, um Synergieeffekte zu nutzen und den Wissenstransfer zu beschleunigen.

Ralf Wintergerst, Präsident des Digitalverbands Bitkom, betont: „Viele Start-ups kommen voran, aber ebenso viele kämpfen mit der schwierigen konjunkturellen Lage. Was allen helfen würde: leichterer Zugang zu öffentlichen Aufträgen, weniger Regulierung und mehr Möglichkeiten, Daten für innovative Services und Technologien einzusetzen.“

💡 Tipp

Ein leichterer Zugang zu öffentlichen Aufträgen, weniger Regulierung und mehr Möglichkeiten, Daten für innovative Services und Technologien einzusetzen, könnten die Situation verbessern. (Lesen Sie auch: Hyperschallrakete Test: Deutsches Startup überrascht Europa)

Welche konkreten Maßnahmen sind erforderlich, um den Standort Deutschland attraktiver zu machen?

Um den Standort Deutschland für Start-ups attraktiver zu machen, sind verschiedene Maßnahmen erforderlich. Dazu gehört die Vereinfachung von Genehmigungsprozessen, der Abbau bürokratischer Hürden und die Schaffung steuerlicher Anreize für Investitionen in innovative Geschäftsmodelle. Konkret könnte dies beispielsweise durch die Einführung eines „Fast-Track“-Verfahrens für Start-ups mit hohem Wachstumspotenzial geschehen.

Auch die Förderung von Bildung und Forschung ist entscheidend. Deutschland braucht mehr Fachkräfte in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT), um den Bedarf der Start-ups zu decken. Zudem sollte die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Unternehmen gestärkt werden, um den Wissenstransfer zu beschleunigen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Förderung einer Gründerkultur. Deutschland braucht mehr Vorbilder und Mentoren, die junge Menschen dazu ermutigen, ihr eigenes Unternehmen zu gründen. Auch die Vermittlung von unternehmerischem Know-how in Schulen und Universitäten sollte verstärkt werden.

Handelsblatt berichtet über die Notwendigkeit von mehr Wagniskapital in Deutschland.

Detailansicht: Startup Deutschland
Symbolbild: Startup Deutschland (Bild: Picsum)
📌 Hintergrund

Deutschland hat in den vergangenen Jahren ein wettbewerbsfähiges Startup-System aufgebaut. Nun braucht die Branche gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Unterstützung der Politik.

Was bedeutet das für Verbraucher, Arbeitnehmer und die Branche?

Die Attraktivität des Standorts Deutschland für Start-ups hat direkte Auswirkungen auf Verbraucher, Arbeitnehmer und die gesamte Branche. Wenn Start-ups Deutschland verlassen oder sich gar nicht erst hier ansiedeln, geht Innovationspotenzial verloren. Dies kann dazu führen, dass Verbraucher weniger Auswahl bei innovativen Produkten und Dienstleistungen haben. (Lesen Sie auch: Mikael Tatarkin fällt aus Alexandru Ionel Springt)

Auch für Arbeitnehmer hat die Entwicklung negative Folgen. Wenn Start-ups abwandern, gehen Arbeitsplätze verloren. Zudem sinkt die Attraktivität Deutschlands als Arbeitsort für hochqualifizierte Fachkräfte. Dies kann zu einem Brain Drain führen, bei dem gut ausgebildete Menschen ins Ausland abwandern.

Für die Branche bedeutet die Entwicklung, dass Deutschland im internationalen Wettbewerb zurückfällt. Wenn andere Länder innovationsfreundlicher sind, werden sie langfristig die Nase vorn haben. Dies kann dazu führen, dass Deutschland den Anschluss an wichtige Zukunftstechnologien verliert.

Die Bundesregierung hat verschiedene Maßnahmen zur Startup-Förderung initiiert.

Wie können etablierte Unternehmen von Start-ups profitieren?

Etablierte Unternehmen können in vielfältiger Weise von Start-ups profitieren. Durch Kooperationen und Beteiligungen können sie Zugang zu innovativen Technologien und Geschäftsmodellen erhalten. Zudem können sie von der Agilität und der Risikobereitschaft der Start-ups lernen.

Ein Beispiel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen einem etablierten Unternehmen und einem Start-up ist die Partnerschaft zwischen Volkswagen und dem Berliner Startup Door2Door. Gemeinsam haben sie einen Mobilitätsdienst entwickelt, der es Nutzern ermöglicht, Fahrgemeinschaften zu bilden und so den innerstädtischen Verkehr zu entlasten.

Allerdings gibt es auch Herausforderungen bei der Zusammenarbeit zwischen etablierten Unternehmen und Start-ups. Oftmals treffen unterschiedliche Unternehmenskulturen und Arbeitsweisen aufeinander. Es ist daher wichtig, dass beide Seiten bereit sind, Kompromisse einzugehen und voneinander zu lernen. (Lesen Sie auch: Russell Crowe TikTok: Oscar-Star zeigt Geheimen Uhren-Account)

Fazit: Deutschland muss sich neu erfinden, um im Startup-Wettbewerb zu bestehen

Die Tatsache, dass nur noch die Hälfte der Start-ups wieder in Deutschland gründen würde, ist ein Alarmsignal. Deutschland muss dringend Maßnahmen ergreifen, um den Standort für Gründerinnen und Gründer attraktiver zu machen. Dazu gehören der Abbau bürokratischer Hürden, die Verbesserung des Zugangs zu Wagniskapital und die Förderung einer innovationsfreundlichen Kultur. Wenn Deutschland diese Herausforderungen nicht meistert, droht es, im internationalen Wettbewerb zurückzufallen. Es braucht eine neue Gründerzeit, um die Innovationskraft des Landes zu entfesseln und die Zukunft zu gestalten. Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, muss die deutsche Wirtschaftspolitik die Rahmenbedingungen für Startups verbessern und somit den Standort Deutschland attraktiver gestalten.

R

Über den Autor
✓ Verifiziert

Redaktion

Online-Redakteur

Unser erfahrenes Redaktionsteam recherchiert und verfasst täglich aktuelle Nachrichten und Hintergrundberichte zu relevanten Themen.

📰 Redaktion
✓ Geprüfter Inhalt

Illustration zu Startup Deutschland
Symbolbild: Startup Deutschland (Bild: Picsum)
Previous Post
Next Post
Advertisement