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Der ehemalige Vizekanzler Sigmar Gabriel ist auch Jahre nach seinem Ausscheiden aus der Bundesregierung, Stand Mai 2026, eine prägende Figur der deutschen Öffentlichkeit. Als langjähriger SPD-Vorsitzender, Bundesminister für Umwelt, Wirtschaft und Auswärtiges hat er die Politik der Bundesrepublik Deutschland über Jahrzehnte mitgestaltet. Heute ist er vor allem als strategischer Berater in der Wirtschaft und als Vorsitzender der Atlantik-Brücke aktiv.
Sigmar Gabriel ist ein deutscher Politiker (SPD), der von 2013 bis 2018 Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland war. Zuvor hatte er verschiedene Ministerämter inne und war von 2009 bis 2017 Bundesvorsitzender der SPD. Seit 2019 ist er Vorsitzender der Atlantik-Brücke und in mehreren Aufsichtsräten tätig.
Die politische Karriere von Sigmar Gabriel
Die politische Laufbahn von Sigmar Gabriel begann früh. Bereits 1977 trat er in die SPD ein und engagierte sich zunächst in der Kommunalpolitik seiner Heimatstadt Goslar. Sein Weg führte ihn über den Kreistag des Landkreises Goslar und den niedersächsischen Landtag, wo er von 1998 bis 1999 und erneut von 2003 bis 2005 Vorsitzender der SPD-Fraktion war.
Ein erster Höhepunkt seiner Karriere war die Wahl zum Ministerpräsidenten von Niedersachsen im Dezember 1999. Mit 40 Jahren war er damals der jüngste Regierungschef eines deutschen Bundeslandes. Diese Amtszeit endete jedoch 2003 mit einer Wahlniederlage gegen Christian Wulff (CDU). Diese Phase war für Gabriel ein herber Rückschlag, der ihn zeitweise zum umstrittenen „Pop-Beauftragten“ der SPD machte – ein Posten, der ihm viel Spott einbrachte.
SPD-Vorsitzender von 2009 bis 2017
Nach der Bundestagswahl 2009 wurde Sigmar Gabriel als Nachfolger von Franz Müntefering zum Bundesvorsitzenden der SPD gewählt. Er führte die Partei über sieben Jahre und war damit der am längsten amtierende SPD-Chef seit Willy Brandt. Seine Amtszeit war geprägt von der schwierigen Aufgabe, die Partei nach historischen Wahlniederlagen neu zu positionieren und in zwei Großen Koalitionen unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu führen.
Ministerämter und Vizekanzler: Gabriels Zeit in Berlin
Auf Bundesebene bekleidete Sigmar Gabriel mehrere Schlüsselpositionen. Seine Zeit in der Bundesregierung begann 2005 als Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit im Kabinett Merkel I. In der zweiten Großen Koalition ab 2013 wurde er zu einer zentralen Figur:
- Bundesminister für Wirtschaft und Energie (2013–2017): In dieser Rolle war er maßgeblich für die Umsetzung der Energiewende verantwortlich.
- Vizekanzler (2013–2018): Als Stellvertreter der Bundeskanzlerin war er eines der prominentesten Gesichter der Regierung.
- Bundesminister des Auswärtigen (2017–2018): Nach dem Wechsel von Frank-Walter Steinmeier ins Bundespräsidentenamt übernahm Gabriel das Auswärtige Amt und erlangte in kurzer Zeit hohe Beliebtheitswerte.
Im Januar 2017 verzichtete Sigmar Gabriel auf die Kanzlerkandidatur zugunsten von Martin Schulz, der ihn auch im Parteivorsitz ablöste. Nach der Bundestagswahl 2017 und der Bildung einer erneuten Großen Koalition gehörte er dem neuen Kabinett nicht mehr an.
Nach der Politik: Wechsel in die Wirtschaft
Nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Bundespolitik im Jahr 2018 hat Sigmar Gabriel eine zweite Karriere in der Wirtschaft und als Publizist begonnen. Er ist heute ein gefragter strategischer Berater und Mitglied in mehreren Aufsichtsräten bedeutender deutscher Unternehmen. Diese sogenannten „Seitenwechsel“ von der Politik in die Wirtschaft werden oft kritisch diskutiert.
Zu seinen wichtigsten Mandaten gehören:
- Deutsche Bank: Seit Mai 2020 ist er Mitglied des Aufsichtsrats.
- Siemens Energy: Ebenfalls seit 2020 gehört er dem Aufsichtsrat des Energiekonzerns an.
- Rheinmetall AG: Im Mai 2025 wurde er in den Aufsichtsrat des Rüstungskonzerns gewählt.
- Thyssenkrupp Steel Europe: Von April 2022 bis August 2024 war er Vorsitzender des Aufsichtsrats.
Zudem ist Gabriel als geopolitischer Berater für die Brunswick Group und als Senior Advisor für die Eurasia Group tätig. Diese Tätigkeiten bringen ihm immer wieder den Vorwurf des Lobbyismus ein, da er seine politischen Kontakte nutze. Ein passendes Thema dazu ist die Frage, ob man Flüge direkt buchen sollte, um Kosten zu sparen – eine Frage der Effizienz, die auch in der Wirtschaft eine große Rolle spielt.
Vorsitzender der Atlantik-Brücke: Transatlantische Beziehungen im Fokus
Seit 2019 ist Sigmar Gabriel Vorsitzender der Atlantik-Brücke e.V., einer Organisation, die sich der Förderung der deutsch-amerikanischen Beziehungen widmet. In dieser Funktion setzt er sich für den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Europa und Nordamerika ein. Seine Expertise als ehemaliger Außenminister ist hierbei von besonderem Wert. Er sieht Europa in einer neuen, unbequemeren Welt gefordert und scheut auch klare Worte nicht, wie etwa in der Debatte um die Sicherheit der Ukraine.
Kontroversen und Kritik
Die Karriere von Sigmar Gabriel war nicht frei von Kontroversen. Insbesondere seine Wechsel in die Wirtschaft nach seiner politischen Laufbahn stießen auf Kritik von Organisationen wie LobbyControl. Kritiker werfen ihm vor, seine früheren politischen Ämter und Netzwerke für privatwirtschaftliche Interessen zu nutzen. Beispielsweise wurde seine kurzzeitige Beratertätigkeit für den Fleischkonzern Tönnies im Jahr 2020 öffentlich debattiert. Auch seine Rolle als Wirtschaftsminister, etwa bei der umstrittenen Ministererlaubnis für die Fusion von Edeka und Tengelmann, sorgte für Diskussionen. Diese Debatten werfen grundsätzliche Fragen zur Trennung von Politik und Wirtschaft auf, ähnlich wie bei Diskussionen über die Karrieren anderer Politiker wie Benjamin Netanjahu.
Sigmar Gabriel privat
Sigmar Gabriel wurde am 12. September 1959 in Goslar geboren, wo er auch heute noch lebt. Er ist in zweiter Ehe mit der Zahnärztin Anke Gabriel verheiratet und hat drei Töchter. In der Öffentlichkeit sprach er auch über seine schwierige Kindheit, die durch seinen Vater, einen überzeugten Nationalsozialisten, geprägt war. Neben seiner politischen und beratenden Tätigkeit ist Gabriel auch als Autor und Publizist tätig. Er hat mehrere Bücher veröffentlicht, darunter „Mehr Mut!“ und „Zeitenwende in der Weltpolitik“.
| Amt/Position | Zeitraum |
|---|---|
| Ministerpräsident von Niedersachsen | 1999–2003 |
| Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit | 2005–2009 |
| Bundesvorsitzender der SPD | 2009–2017 |
| Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland | 2013–2018 |
| Bundesminister für Wirtschaft und Energie | 2013–2017 |
| Bundesminister des Auswärtigen | 2017–2018 |
| Vorsitzender der Atlantik-Brücke | seit 2019 |
| Aufsichtsrat Deutsche Bank | seit 2020 |
| Aufsichtsrat Siemens Energy | seit 2020 |
FAQ zu Sigmar Gabriel
Was macht Sigmar Gabriel heute (2026)?
Sigmar Gabriel ist heute als strategischer Berater, Publizist und Mitglied in mehreren Aufsichtsräten tätig, unter anderem bei der Deutschen Bank, Siemens Energy und Rheinmetall. Zudem ist er seit 2019 Vorsitzender der Atlantik-Brücke.
Welche Ämter hatte Sigmar Gabriel?
Sigmar Gabriel war unter anderem Ministerpräsident von Niedersachsen (1999-2003), Bundesumweltminister (2005-2009), SPD-Parteivorsitzender (2009-2017), Bundeswirtschaftsminister (2013-2017), Bundesaußenminister (2017-2018) und Vizekanzler (2013-2018).
Warum ist Sigmar Gabriel nicht mehr in der Regierung?
Nach der Bundestagswahl 2017 wurde eine neue Große Koalition gebildet. Bei der Vergabe der Ministerposten für die SPD wurde Sigmar Gabriel nicht mehr berücksichtigt. Er schied im März 2018 aus der Bundesregierung aus und legte im November 2019 auch sein Bundestagsmandat nieder.
Wer ist Vorsitzender der Atlantik-Brücke?
Der Vorsitzende der Atlantik-Brücke ist seit 2019 der ehemalige Vizekanzler Sigmar Gabriel. Er folgte in diesem Amt auf Friedrich Merz.
Ist Sigmar Gabriel verheiratet?
Ja, Sigmar Gabriel ist mit der Zahnärztin Anke Gabriel verheiratet. Er hat insgesamt drei Töchter.
Fazit
Sigmar Gabriel bleibt auch nach seinem Rückzug aus den höchsten politischen Ämtern eine einflussreiche und oft diskutierte Persönlichkeit in Deutschland. Seine Karriere von der Kommunalpolitik bis ins Vizekanzleramt ist bemerkenswert und von Höhen wie Tiefen geprägt. Heute verbindet er seine umfassende politische Erfahrung mit anspruchsvollen Aufgaben in der Wirtschaft und der transatlantischen Politik. Seine Laufbahn zeigt exemplarisch die komplexen Verbindungen zwischen Politik und Wirtschaft in der modernen Bundesrepublik und liefert weiterhin Stoff für öffentliche Debatten.