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Roderich Kiesewetter ist, Stand 18.03.2026, einer der profiliertesten und gleichzeitig umstrittensten Außen- und Sicherheitspolitiker Deutschlands. Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Oberst a.D. ist durch seine unnachgiebige Haltung im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und seine wiederholten, lauten Forderungen nach einer stärkeren militärischen Unterstützung für Kiew zu einer zentralen Figur in der politischen Debatte geworden. Seine klaren, oft als „Hardliner“-Positionen bezeichneten Ansichten polarisieren und machen ihn zu einer Schlüsselfigur der Opposition.
Inhaltsverzeichnis
- Wer ist Roderich Kiesewetter? Militärische und politische Karriere
- Kiesewetters klare Kante: Die Position im Ukraine-Krieg
- Die Taurus-Debatte: Warum Kiesewetter beharrlich lieferungen fordert
- Scharfe Kritik an der Bundesregierung und Bundeskanzler Scholz
- Weitere politische Positionen von Roderich Kiesewetter
- Persönliches und öffentliche Angriffe
Wer ist Roderich Kiesewetter? Militärische und politische Karriere
Roderich Kiesewetter wurde am 11. September 1963 in Pfullendorf geboren. Seine berufliche Laufbahn begann er jedoch nicht in der Politik, sondern bei der Bundeswehr. Nach dem Abitur 1982 trat er als Berufsoffizieranwärter in die Artillerietruppe ein. Im Rahmen seiner militärischen Ausbildung studierte er von 1983 bis 1986 Wirtschafts- und Organisationswissenschaften an der Universität der Bundeswehr in München sowie an der University of Texas in Austin und schloss als Diplom-Kaufmann ab.
Seine militärische Karriere führte ihn durch verschiedene Führungs- und Stabsverwendungen, unter anderem im Bundesministerium der Verteidigung und bei Auslandseinsätzen auf dem Balkan (SFOR). Zudem sammelte er umfassende internationale Erfahrung bei der EU und in verschiedenen NATO-Hauptquartieren. Zuletzt bekleidete er den Rang eines Obersts im Generalstabsdienst (Oberst i.G.), bevor er 2009 in die Politik wechselte. Dieser militärische Hintergrund prägt bis heute seine sicherheitspolitischen Analysen und Forderungen maßgeblich.
Seit 2009 ist Kiesewetter direkt gewähltes Mitglied des Deutschen Bundestages für den Wahlkreis Aalen – Heidenheim. In Berlin hat er sich schnell als Experte für Außen- und Sicherheitspolitik etabliert. Er ist Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Auswärtigen Ausschuss und war bis vor kurzem stellvertretender Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums, das die deutschen Nachrichtendienste überwacht. Seine Expertise ist auch international gefragt, beispielsweise als Mitglied in Organisationen wie dem European Council on Foreign Relations (ECFR).
Kiesewetters klare Kante: Die Position im Ukraine-Krieg
Seit Beginn des vollumfänglichen russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 gehört Roderich Kiesewetter zu den entschiedensten Befürwortern einer massiven militärischen Unterstützung für das angegriffene Land. Seine zentrale These lautet, dass die Zukunft Europas in der Ukraine entschieden wird. Er argumentiert, dass ein russischer Sieg oder auch nur ein „eingefrorener Konflikt“ katastrophale Folgen für die Sicherheit Deutschlands und der NATO hätte. Folglich müsse Russland lernen zu verlieren, indem es seine imperialen Ansprüche aufgebe.
Kiesewetter warnt davor, dass ein Zwangsfrieden oder ein Zerfall der Ukraine Deutschland und Europa in eine russische Einflusszone bringen würde. Aus diesem Grund plädiert er für eine Strategie, die nicht nur die Verteidigung der Ukraine sichert, sondern ihr auch die Fähigkeit gibt, den Krieg zu gewinnen. Dazu gehört für ihn die Lieferung von weitreichenden Präzisionswaffen, um russische Logistik, Kommandostrukturen und Produktionsstätten auch auf russischem Territorium anzugreifen.
Die Taurus-Debatte: Warum Kiesewetter beharrlich lieferungen fordert
Ein zentraler Punkt in der öffentlichen Wahrnehmung von Roderich Kiesewetter ist seine unermüdliche Forderung nach der Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine. Während Bundeskanzler Olaf Scholz eine Lieferung kategorisch ausschließt und eine deutsche Kriegsbeteiligung befürchtet, sieht Kiesewetter in dem Waffensystem eine entscheidende Komponente, um die russische Kriegsmaschinerie empfindlich zu stören. Er kritisiert die Argumentation des Kanzlers als falsch und irreführend und betont, dass für den Einsatz der Taurus-Systeme keine deutschen Soldaten in der Ukraine erforderlich seien.
Noch im März 2026 forderte er, als politisches Signal unverzüglich mit der Ausbildung ukrainischer Soldaten am Taurus-System zu beginnen. Für ihn sind die Marschflugkörper keine Eskalation, sondern eine notwendige Gegenmaßnahme gegen die fortschreitende russische Aggression. Diese klare und oft wiederholte Forderung hat ihn in direkten Konflikt mit der Regierungslinie, aber auch mit zögerlicheren Stimmen in der eigenen Partei gebracht. Die Debatte um die Taurus-Lieferung ist eng mit dem Namen Roderich Kiesewetter verbunden.
Scharfe Kritik an der Bundesregierung und Bundeskanzler Scholz
Die Haltung zur Ukraine-Unterstützung ist die Grundlage für Kiesewetters generelle Kritik an der Bundesregierung. Er wirft Kanzler Scholz Zögerlichkeit und eine mangelnde strategische Führung vor. Die sogenannte „Zeitenwende“ sei in seinen Augen zwar eine bemerkenswerte Rede gewesen, aber die Umsetzung erfolge zu langsam und halbherzig. Insbesondere kritisiert Kiesewetter, dass Deutschland zu spät und zu wenig liefere und damit das Leid in der Ukraine verlängere. Eine kontroverse Auseinandersetzung gab es Anfang 2025, als Kiesewetter auf der Plattform X (ehemals Twitter) über eine angebliche Reiseabsicht von Scholz nach Moskau spekulierte, was der Kanzler als „zutiefst unanständig“ zurückwies und was zu einer juristischen Auseinandersetzung führte.
Darüber hinaus fordert Roderich Kiesewetter ein generelles Umdenken in der deutschen Rüstungs- und Beschaffungspolitik. Prozesse seien zu langsam und bürokratisch. Als Beispiel nannte er die Zertifizierung einer Drohne, die anderthalb Jahre dauere. Die gesellschaftliche Leitlinie müsse von „Nie wieder Krieg“ zu „Nie wieder wehrlos“ wechseln, um Russland wirksam abzuschrecken. Zuletzt sorgte sein Vorschlag für Aufsehen, zur Verteidigung der Westukraine eine Flugverbotszone zu organisieren, um unbemannte Flugkörper abzuschießen. Umfassende Informationen zur Arbeit des Bundestages stellt die offizielle Webseite des Deutschen Bundestages bereit.
Weitere politische Positionen von Roderich Kiesewetter
Obwohl der Ukraine-Krieg sein öffentliches Profil dominiert, bezieht Roderich Kiesewetter auch zu anderen außenpolitischen Themen Stellung. Im Nahost-Konflikt kritisierte er die Politik der Bundesregierung und forderte eine deutsche Initiative zur Entwaffnung der Hamas als Voraussetzung für eine friedliche Perspektive in Gaza. Er ist zudem ein überzeugter Transatlantiker und Europäer, der aber auch eine Reduzierung der europäischen Abhängigkeit von den USA bei militärischen Schlüsselfähigkeiten anmahnt. Themen wie die Analyse von Sondervermögen und Schulden sind dabei für die Finanzierung der Verteidigungsfähigkeit von zentraler Bedeutung.
Persönliches und öffentliche Angriffe
Roderich Kiesewetter ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seine klare und oft konfrontative Art bringt ihm nicht nur politische Gegner, sondern auch Anfeindungen ein. Im Juni 2024 wurde er an einem Wahlkampfstand in Aalen körperlich attackiert und leicht verletzt. Der mutmaßliche Täter wurde der Querdenker-Szene zugeordnet. Kiesewetter wird häufig als „Kriegstreiber“ beschimpft, ein Vorwurf, den er mit Verweis auf das Selbstverteidigungsrecht der Ukraine und die Notwendigkeit der Abschreckung Russlands zurückweist. Solche Vorfälle werfen ein Schlaglicht auf die zunehmende Polarisierung der politischen Debatte, die auch vor Gewalt nicht haltmacht. Dies erinnert an die zunehmende Radikalität, die sich auch in anderen Bereichen zeigt, wie bei dem tragischen Vorfall einer Messerattacke auf Mallorca.
Das Wichtigste in Kürze
- Wer ist Roderich Kiesewetter? Ein CDU-Bundestagsabgeordneter, Oberst a.D. und einer der führenden Außen- und Sicherheitspolitiker der Opposition.
- Geburtsdatum: 11. September 1963 in Pfullendorf.
- Militärische Laufbahn: Langjährige Karriere als Berufsoffizier bei der Bundeswehr, zuletzt als Oberst im Generalstabsdienst.
- Politische Karriere: Seit 2009 direkt gewähltes Mitglied des Deutschen Bundestages.
- Zentrale Position: Gilt als Hardliner in der Ukraine-Politik und fordert massive militärische Unterstützung, inklusive der Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern.
- Kritik an der Regierung: Wirft Bundeskanzler Scholz Zögerlichkeit und eine verfehlte Strategie im Umgang mit Russland vor.
- Aktuelle Forderung (März 2026): Fordert den sofortigen Beginn der Ausbildung ukrainischer Soldaten am Taurus-System.
| Jahr | Ereignis/Position | Quelle |
|---|---|---|
| 1981 | Eintritt in die CDU | Wikipedia |
| 2009 | Erstmals direkt in den Deutschen Bundestag gewählt | Deutscher Bundestag |
| 2014 – heute | Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Auswärtigen Ausschuss | ULLSTEIN |
| 2020 – 2025 | Vorsitzender / Stv. Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums | ULLSTEIN |
| 2022 – heute | Stellvertretender Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums | Wikipedia |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was fordert Roderich Kiesewetter für die Ukraine?
Roderich Kiesewetter fordert eine umfassende und glaubwürdige militärische Unterstützung für die Ukraine, damit das Land den Krieg gegen Russland gewinnen kann. Seine prominenteste Forderung ist die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern, um russische Ziele weit hinter der Frontlinie angreifen zu können.
Warum ist Roderich Kiesewetter so oft in den Medien?
Aufgrund seiner klaren, pointierten und oft regierungskritischen Positionen in der Sicherheits- und Außenpolitik ist Roderich Kiesewetter ein gefragter Interviewpartner und Gast in politischen Talkshows. Seine Expertise als ehemaliger hochrangiger Soldat verleiht seinen Aussagen zusätzliches Gewicht in der öffentlichen Debatte.
Welchen militärischen Rang hatte Roderich Kiesewetter?
Vor seinem Wechsel in die Politik war Roderich Kiesewetter Oberst im Generalstabsdienst (Oberst i.G.) bei der Bundeswehr. Er ist heute Oberst außer Dienst (a.D.).
Wurde Roderich Kiesewetter angegriffen?
Ja, im Juni 2024 wurde Roderich Kiesewetter an einem CDU-Wahlkampfstand in Aalen von einem Mann körperlich attackiert und leicht verletzt. Der Vorfall sorgte bundesweit für Aufsehen und löste eine Debatte über die Sicherheit von Politikern aus.
Was kritisiert Kiesewetter an Bundeskanzler Olaf Scholz?
Kiesewetter wirft dem Bundeskanzler vor allem Zögerlichkeit, eine fehlende strategische Vision in der Unterstützung der Ukraine und eine falsche Begründung für die Nicht-Lieferung der Taurus-Marschflugkörper vor. Er sieht darin eine Schwächung der Ukraine und eine Ermutigung für Russland.
Fazit
Roderich Kiesewetter hat sich als eine der lautesten und konsequentesten Stimmen der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik etabliert. Seine militärische Expertise und seine unmissverständlichen Forderungen machen ihn zu einem unbequemen, aber wichtigen Akteur in der politischen Landschaft. Während seine Befürworter seine Klarheit und strategische Weitsicht loben, kritisieren ihn Gegner als Kriegstreiber. Unbestreitbar ist jedoch, dass Roderich Kiesewetter die Debatte über Deutschlands Rolle in der Welt und die Konsequenzen des russischen Angriffskrieges maßgeblich mitprägt und auch 2026 eine zentrale Figur der Opposition bleibt. Weitere Informationen zu seiner Person und Arbeit finden sich auf seiner persönlichen Webseite.