Niedriglohn Deutschland: Knapp 7,7 Millionen Beschäftigte in Deutschland verdienten im vergangenen April weniger als 15 Euro brutto pro Stunde. Das bedeutet, dass fast jeder fünfte Arbeitnehmer von niedrigen Löhnen betroffen ist. Besonders betroffen sind Branchen wie das Gastgewerbe. Kritiker fordern eine Anhebung des Mindestlohns, um ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.

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- Niedriglohn Deutschland: 7,7 Millionen Beschäftigte betroffen
- Was bedeutet das für Bürger?
- Wo gibt es millionenfach niedrige Löhne?
- Wie hoch müsste ein existenzsichernder Lohn sein?
- Welche Rolle spielt der Mindestlohn?
- Politische Perspektiven auf den Niedriglohn in Deutschland
- Häufig gestellte Fragen
Zusammenfassung
- Knapp 20% der Beschäftigten in Deutschland verdienen weniger als 15 Euro brutto pro Stunde.
- Besonders betroffen ist das Gastgewerbe mit über 1,1 Millionen Jobs unter dieser Grenze.
- Gewerkschaften und Politiker fordern eine Anhebung der Lohnuntergrenze auf 60 Prozent des mittleren Bruttolohns.
- Der gesetzliche Mindestlohn soll bis Anfang 2027 auf 14,60 Euro steigen.
Niedriglohn Deutschland: 7,7 Millionen Beschäftigte betroffen
Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken verdienten im vergangenen April rund 7,7 Millionen Beschäftigte in Deutschland weniger als 15 Euro brutto pro Stunde. Dies entspricht einem Anteil von 19,3 Prozent aller Beschäftigten. Rund 10 Millionen Beschäftigte erhielten weniger als 16 Euro, und etwa 5 Millionen sogar weniger als 14 Euro. Die Daten stammen aus der jüngsten Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamtes. Wie Stern berichtet, zeigt die Anfrage die Brisanz des Themas.
Die Zahlen verdeutlichen, dass ein erheblicher Teil der Erwerbstätigen in Deutschland von niedrigen Löhnen betroffen ist. Dies wirft Fragen nach der sozialen Gerechtigkeit und der Möglichkeit, mit einem solchen Einkommen ein auskömmliches Leben zu führen, auf. Die Situation wird durch die steigenden Lebenshaltungskosten zusätzlich verschärft.
Was bedeutet das für Bürger?
Für die betroffenen Bürger bedeutet ein niedriger Lohn oft finanzielle Unsicherheit und Einschränkungen im Alltag. Es kann schwierig sein, die Miete zu bezahlen, für das Alter vorzusorgen oder sich Wünsche zu erfüllen. Ein Lohn unterhalb der Niedriglohnschwelle kann auch Auswirkungen auf die soziale Teilhabe haben, da weniger Geld für Freizeitaktivitäten oder kulturelle Angebote zur Verfügung steht.
Die Betroffenen sind oft auf staatliche Unterstützung angewiesen, um ihren Lebensstandard zu sichern. Dies belastet nicht nur die öffentlichen Kassen, sondern kann auch zu einem Gefühl der Abhängigkeit und Stigmatisierung führen. Ein angemessener Lohn hingegen ermöglicht ein selbstbestimmteres Leben und stärkt die Eigenverantwortung.
Die Niedriglohnschwelle wird definiert als ein Lohn, der weniger als zwei Drittel des mittleren Verdienstes beträgt. Der mittlere Verdienst teilt die Beschäftigten in zwei Hälften: Die eine Hälfte verdient mehr, die andere weniger. (Lesen Sie auch: Hosta Firmenübernahme: Chefin mit 28 Jahren!)
Wo gibt es millionenfach niedrige Löhne?
Besonders betroffen von niedrigen Löhnen sind bestimmte Branchen, allen voran das Gastgewerbe. Laut der Regierungsantwort gab es dort im vergangenen Jahr über 1,1 Millionen Jobs unter 15 Euro. Auch im Einzelhandel, in der Landwirtschaft und in der Reinigungsbranche sind viele Beschäftigte von niedrigen Löhnen betroffen. Diese Branchen zeichnen sich oft durch einen hohen Anteil an Teilzeitbeschäftigung, geringe Qualifikationsanforderungen und einen hohen Wettbewerbsdruck aus.
Die Arbeitsbedingungen in diesen Branchen sind oft prekär, mit unregelmäßigen Arbeitszeiten, geringer Planungssicherheit und wenig Aufstiegschancen. Dies führt zu einer hohen Fluktuation und erschwert es den Beschäftigten, sich eine stabile Existenz aufzubauen. Die Corona-Pandemie hat die Situation in einigen dieser Branchen noch verschärft, da viele Betriebe schließen mussten oder Kurzarbeit anmelden mussten.
Wie hoch müsste ein existenzsichernder Lohn sein?
Der Linke-Abgeordnete Cem Ince, der die Anfrage gestellt hatte, forderte einen Mindestlohn von mindestens 15 Euro pro Stunde, um die EU-Mindestlohnrichtlinie zu erfüllen. Für ein „Mindestmaß an echter Lebensqualität“ seien jedoch deutlich über 16 Euro notwendig, wie Studien zeigten. Er kritisierte, dass die Unzufriedenheit im Land groß sei, wenn Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter weniger verdienten.
Vertreterinnen und Vertreter von Gewerkschaften und Politik fordern schon seit längerem eine Lohnuntergrenze von nicht unter 60 Prozent des mittleren Bruttolohns und berufen sich dabei auf die EU-Mindestlohnrichtlinie. Laut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung wären schon im vergangenen Jahr 15,12 Euro in Deutschland nötig gewesen, um die 60-Prozent-Schwelle zu erreichen. Dies ergibt sich laut der Stiftung aufgrund von OECD-Berechnungen. Die Hans-Böckler-Stiftung setzt sich für faire Arbeitsbedingungen ein.
Welche Rolle spielt der Mindestlohn?
Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland liegt derzeit bei 13,90 Euro und soll Anfang 2027 auf 14,60 Euro steigen. Das Statistische Bundesamt hatte die Niedriglohnschwelle im April 2025 mit 14,32 Euro angegeben. Löhne mit weniger als zwei Drittel des mittleren Verdienstes zählen laut offizieller Einordnung dabei zum Niedriglohnsektor. Der Statistische Bundesamt liefert wichtige Daten zur wirtschaftlichen Lage in Deutschland.
Kritiker bemängeln, dass der Mindestlohn nicht ausreicht, um ein Leben oberhalb der Armutsgrenze zu ermöglichen. Sie fordern eine deutliche Anhebung des Mindestlohns, um den steigenden Lebenshaltungskosten gerecht zu werden und den Beschäftigten ein würdevolles Leben zu ermöglichen. Die Debatte um die Höhe des Mindestlohns ist ein zentraler Bestandteil der Auseinandersetzung um die Verteilungsgerechtigkeit in Deutschland. (Lesen Sie auch: Energie: EU-Kommission wirbt für niedrigeren Strompreis für…)
Politische Perspektiven auf den Niedriglohn in Deutschland
Die Parteien im Bundestag haben unterschiedliche Auffassungen zur Bekämpfung von Niedriglöhnen. Die Linke fordert einen höheren Mindestlohn und eine Stärkung der Tarifbindung, um die Löhne in den betroffenen Branchen anzuheben. Die Grünen setzen sich ebenfalls für eine Anhebung des Mindestlohns und eine Förderung von existenzsichernden Löhnen ein.
Die SPD betont die Bedeutung des Mindestlohns als Instrument zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ungleichheit. Die FDP hingegen warnt vor zu hohen Mindestlöhnen, die Arbeitsplätze gefährden könnten. Die CDU/CSU setzt auf eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, um höhere Löhne zu ermöglichen. Die Bundesregierung arbeitet an verschiedenen Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
Das Statistische Bundesamt gibt die Niedriglohnschwelle mit 14,32 Euro an.
Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland beträgt 13,90 Euro.

Der Mindestlohn soll auf 14,60 Euro steigen.
Ursprünglich berichtet von: Stern (Lesen Sie auch: Spritpreise Entwicklung: Warum steigen Sie Immer Weiter?)
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Menschen in Deutschland sind von Niedriglöhnen betroffen?
Im April des vergangenen Jahres verdienten 7,7 Millionen Beschäftigte weniger als 15 Euro brutto pro Stunde, was fast 20 Prozent der Arbeitnehmer entspricht. Dies zeigt, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung von niedrigen Löhnen betroffen ist.
Welche Branchen sind besonders von Niedriglöhnen betroffen?
Besonders häufig sind niedrige Löhne im Gastgewerbe anzutreffen, wo über 1,1 Millionen Jobs unter 15 Euro liegen. Auch der Einzelhandel, die Landwirtschaft und die Reinigungsbranche weisen einen hohen Anteil an Niedriglohnbeschäftigten auf.
Wie hoch ist der aktuelle gesetzliche Mindestlohn in Deutschland?
Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland beträgt derzeit 13,90 Euro pro Stunde. Es ist geplant, diesen bis Anfang 2027 auf 14,60 Euro anzuheben, was jedoch von Kritikern als unzureichend angesehen wird.
Was fordern Gewerkschaften und Politiker zur Bekämpfung von Niedriglöhnen?
Gewerkschaften und Politiker fordern eine Lohnuntergrenze von mindestens 60 Prozent des mittleren Bruttolohns. Dies würde nach Berechnungen der Hans-Böckler-Stiftung im vergangenen Jahr einen Stundenlohn von 15,12 Euro erfordert haben. (Lesen Sie auch: Spritpreise Aktuell: Tanken wird Teurer – Was…)
Was bedeutet die Niedriglohnschwelle für die betroffenen Bürger?
Ein niedriger Lohn führt oft zu finanzieller Unsicherheit und Einschränkungen im Alltag. Betroffene haben Schwierigkeiten, ihre Lebenshaltungskosten zu decken und für die Zukunft vorzusorgen, was ihre soziale Teilhabe beeinträchtigen kann.
Die Debatte um den Niedriglohn in Deutschland wird weitergehen, da es um die Kernfrage der sozialen Gerechtigkeit geht. Die unterschiedlichen politischen Perspektiven zeigen, dass es keine einfachen Lösungen gibt. Es bleibt abzuwarten, welche Maßnahmen die Bundesregierung ergreifen wird, um die Situation der Millionen von Beschäftigten im Niedriglohnsektor zu verbessern.




