Die Präsenzhauptversammlung Forderung nach einer Rückkehr zu mehr physischen Aktionärstreffen wird von Anlegerschützern laut. Sie kritisieren, dass viele DAX-Konzerne weiterhin auf Online-Formate setzen, obwohl dies in anderen europäischen Ländern unüblich ist. Dies schränke die Aktionärsrechte ein und senke die Beteiligung.

Die wichtigsten Fakten
- DSW und Ethos-Stiftung fordern mehr Präsenz- oder Hybridhauptversammlungen von DAX-Konzernen.
- Die Investorengruppe verwaltet ein Vermögen von 468 Milliarden Euro.
- Laut DSW sank die Präsenz von Aktionären in virtuellen Hauptversammlungen seit 2023 kontinuierlich.
- Deutschland nimmt eine Sonderrolle in Europa ein, da hier weiterhin vermehrt virtuelle Hauptversammlungen stattfinden.
| Unternehmen | Umsatz | Gewinn/Verlust | Mitarbeiterzahl | Branche | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|---|---|---|
| DAX-Konzerne (gesamt) | ca. 1,6 Billionen Euro | ca. 120 Milliarden Euro | ca. 4 Millionen | Diverse | Umsatz: +5%, Gewinn: -2% |
Präsenzhauptversammlung Forderung: Anlegerschützer erhöhen den Druck
Der Anlegerschutzverein DSW und die Schweizer Ethos-Stiftung haben ihren Druck auf DAX-Konzerne erhöht, wieder verstärkt Präsenz- oder Hybridhauptversammlungen anzubieten. Wie Stern berichtet, wird die Investorengruppe vom Netzwerk Shareholders for Change und dem europäischen Verband Better Finance unterstützt. Gemeinsam verwalten die Unterzeichner der Kampagne ein Vermögen von rund 468 Milliarden Euro. Sie argumentieren, dass rein virtuelle Formate die Aktionärsrechte beschneiden und den direkten Austausch zwischen Aktionären und Management erschweren.
Die Kritik richtet sich insbesondere an die DAX-Konzerne, da laut DSW mittlere und kleinere Unternehmen mehrheitlich zur Präsenzhauptversammlung zurückgekehrt sind. Etwa zwei Drittel der DAX-Unternehmen nutzten im Jahr 2025 virtuelle Hauptversammlungen, was ihnen Kosten spart und potenziellen Ärger mit kritischen Kleinaktionären reduziert. Dieser Trend wird von den Anlegerschützern als Sonderweg Deutschlands in Europa gesehen. (Lesen Sie auch: Kritik an Dax-Konzernen: Anlegerschützer fordern mehr Präsenz-Hauptversammlungen)
Warum fordern Anlegerschützer die Rückkehr zur Präsenzhauptversammlung?
Anlegerschützer argumentieren, dass virtuelle Hauptversammlungen die Interaktion zwischen Aktionären und dem Management behindern. Die Möglichkeit, kritische Fragen direkt zu stellen und Antworten zu erhalten, sei in Online-Formaten stark eingeschränkt. Auch die Möglichkeit, sich mit anderen Aktionären auszutauschen und Allianzen zu bilden, entfalle weitgehend. Dies führe zu einer Schwächung der Aktionärsrechte und einer geringeren Beteiligung an den Hauptversammlungen.
Christiane Hölz, Geschäftsführerin der DSW, moniert, dass die Präsenz von Aktionären in virtuellen Hauptversammlungen seit 2023 kontinuierlich gesunken ist. „Das widerspricht der häufig geäußerten These, digitale Formate seien für Aktionäre attraktiver“, so Hölz. „Tatsächlich zeigen die Zahlen, dass viele Anteilseigner mit dem virtuellen Format fremdeln.“
Die virtuelle Hauptversammlung wurde während der Corona-Pandemie eingeführt, um Ansteckungen zu vermeiden. Das Gesetz zur Abhaltung virtueller Hauptversammlungen wurde mehrfach verlängert und ermöglicht es Unternehmen, ihre Hauptversammlungen ohne physische Präsenz der Aktionäre abzuhalten. (Lesen Sie auch: Spritpreise Aktuell: Super E10 kostet Jetzt über…)
Welche Vorteile bieten Präsenz- und Hybridhauptversammlungen?
Vincent Kaufmann, Direktor der Ethos-Stiftung, betont die Vorteile von hybriden Formaten. Diese würden Aktionären die Wahl zwischen physischer und virtueller Teilnahme sowie den direkten Austausch mit dem Management gewähren. Ein solcher Ansatz würde den unterschiedlichen Bedürfnissen der Aktionäre gerecht und gleichzeitig die Vorteile der Digitalisierung nutzen. Die Möglichkeit, persönlich anwesend zu sein, stärke das Vertrauen in das Management und fördere eine konstruktive Auseinandersetzung mit den Unternehmensstrategien. Laut einer Studie des Deutschen Aktieninstituts bevorzugen rund 70% der Kleinaktionäre die physische Teilnahme an Hauptversammlungen.
Wie stehen andere europäische Länder zu virtuellen Hauptversammlungen?
Deutschland nimmt im europäischen Vergleich eine Sonderrolle ein. Während andere Länder wie Frankreich oder die Niederlande bereits frühzeitig zur Präsenzhauptversammlung zurückgekehrt sind, halten viele deutsche DAX-Konzerne weiterhin an virtuellen Formaten fest. „Deutschland ist das einzige Land in Europa, in dem mehrere Unternehmen auch nach der Corona-Pandemie rein virtuelle Hauptversammlungen abhalten“, sagt Vincent Kaufmann. In der Schweiz beispielsweise ist die physische Hauptversammlung weiterhin die Regel, und virtuelle Formate werden nur in Ausnahmefällen eingesetzt. Die Europäische Kommission empfiehlt den Mitgliedstaaten, die Aktionärsrechte zu stärken und die Teilnahme an Hauptversammlungen zu fördern, was durch physische oder hybride Formate besser gewährleistet werden kann.
Welche Rolle spielen die Kosten bei der Entscheidung für virtuelle Hauptversammlungen?
Ein wesentlicher Faktor bei der Entscheidung für virtuelle Hauptversammlungen sind die Kosten. Die Organisation einer physischen Hauptversammlung ist mit erheblichem Aufwand verbunden, insbesondere für große Konzerne mit zahlreichen Aktionären. Die Anmietung von Veranstaltungsorten, die Bereitstellung von Catering und Sicherheitspersonal sowie die Organisation der An- und Abreise der Aktionäre verursachen hohe Kosten. Virtuelle Hauptversammlungen hingegen sind deutlich kostengünstiger, da sie keine physische Infrastruktur erfordern und die Teilnehmerzahl keine Rolle spielt. Allerdings argumentieren Kritiker, dass die Kosteneinsparungen nicht auf Kosten der Aktionärsrechte gehen dürfen. Eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey & Company schätzt die Kosteneinsparungen durch virtuelle Hauptversammlungen auf bis zu 50 Prozent. (Lesen Sie auch: Super E10 Preise Knacken die 2-Euro-Marke –…)

Wie geht es weiter mit der Präsenzhauptversammlung Forderung?
Die DSW und die Ethos-Stiftung haben angekündigt, ihren Druck auf die DAX-Konzerne weiter zu erhöhen. Sie wollen in den anstehenden Hauptversammlungen Anträge stellen und das Thema öffentlichkeitswirksam diskutieren. Zudem fordern sie die Politik auf, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für virtuelle Hauptversammlungen zu überprüfen und sicherzustellen, dass die Aktionärsrechte angemessen geschützt werden. Die Debatte um die Zukunft der Hauptversammlung dürfte somit in den kommenden Monaten weiter an Fahrt gewinnen. Die Bundesregierung hat angekündigt, die Erfahrungen mit virtuellen Hauptversammlungen zu evaluieren und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. Die finale Entscheidung über die Zulässigkeit virtueller Hauptversammlungen wird letztendlich vom Gesetzgeber getroffen.
Better Finance, der europäische Verband zur Vertretung von Kleinaktionären, unterstützt die Forderung nach mehr Präsenzhauptversammlungen.
Das Deutsche Aktieninstitut setzt sich ebenfalls für die Stärkung der Aktionärsrechte ein.
Die Präsenzhauptversammlung Forderung verdeutlicht die Notwendigkeit, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Vorteilen der Digitalisierung und dem Schutz der Aktionärsrechte zu finden. Es bleibt abzuwarten, ob die DAX-Konzerne auf den Druck der Anlegerschützer reagieren und wieder verstärkt Präsenz- oder Hybridhauptversammlungen anbieten werden. Für Anleger bedeutet dies, dass sie ihre Rechte aktiv wahrnehmen und sich für eine Form der Hauptversammlung einsetzen sollten, die ihren Bedürfnissen am besten entspricht.



