Der Plug-In Hybrid Verbrauch liegt im realen Fahrbetrieb deutlich höher als in den offiziellen Angaben der Hersteller. Eine aktuelle Studie des Fraunhofer ISI zeigt, dass Plug-in-Hybride im Alltag durchschnittlich das Vierfache des im WLTP-Zyklus ermittelten Normverbrauchs verbrauchen. Dies führt zu höheren Spritkosten und einem größeren CO2-Fußabdruck für die Fahrer.

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- Warum ist der Plug-in Hybrid Verbrauch im Alltag so viel höher als angegeben?
- Was bedeutet das für Autofahrer?
- Wie wurde der hohe Plug-in Hybrid Verbrauch ermittelt?
- Welche Auswirkungen haben die Ergebnisse auf die EU-Flottenziele?
- Wie können Autofahrer den Plug-in Hybrid Verbrauch beeinflussen?
- Welche Rolle spielen neue Messverfahren für den Plug-in Hybrid Verbrauch?
- Häufig gestellte Fragen
Auto-Fakten
- Studie des Fraunhofer ISI analysierte Daten von ca. 1 Million Plug-in-Hybriden.
- Realer Verbrauch liegt im Schnitt beim Vierfachen des Normverbrauchs.
- Normverbrauch liegt durchschnittlich bei 1,5 Litern, realer Verbrauch bei 6 Litern.
- Auch im Elektro-Modus ist der Verbrauch höher als erwartet (ca. 3 Liter/100km).
Warum ist der Plug-in Hybrid Verbrauch im Alltag so viel höher als angegeben?
Die Diskrepanz zwischen dem offiziellen und dem tatsächlichen Kraftstoffverbrauch von Plug-in-Hybriden ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. Zum einen werden die Verbrauchsangaben im WLTP-Zyklus unter Laborbedingungen ermittelt, die wenig mit dem realen Fahrbetrieb zu tun haben. Zum anderen beeinflussen das Fahrverhalten, die Streckenprofile und die Nutzung der elektrischen Reichweite den tatsächlichen Verbrauch erheblich. Auch die zusätzliche Last durch Komfortfunktionen wie Klimaanlage oder Heizung kann den Verbrauch erhöhen.
Der WLTP-Zyklus (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure) ist ein standardisiertes Prüfverfahren zur Ermittlung des Kraftstoffverbrauchs und der Schadstoffemissionen von Fahrzeugen. Er soll für vergleichbare Werte sorgen, weicht aber oft von der Realität ab.
Was bedeutet das für Autofahrer?
Für Autofahrer bedeutet der höhere Plug-In Hybrid Verbrauch im Alltag, dass sie mit deutlich höheren Spritkosten rechnen müssen, als vom Hersteller angegeben. Auch die Umweltbilanz des Fahrzeugs verschlechtert sich, da mehr CO2 ausgestoßen wird. Zudem kann die tatsächliche elektrische Reichweite geringer sein als erwartet, was die Nutzung des Elektromodus einschränkt. Laut Stern, auf dessen Meldung dieser Artikel basiert, fordern Wissenschaftler daher eine Anpassung der EU-Regularien.
Praxis-Tipp: Achten Sie auf eine realistische Einschätzung Ihres Fahrprofils und der Nutzung der elektrischen Reichweite, um die tatsächlichen Kosten und Umweltauswirkungen Ihres Plug-in-Hybriden besser einschätzen zu können. Nutzen Sie den Elektromodus konsequent für Kurzstrecken und laden Sie das Fahrzeug regelmäßig auf. (Lesen Sie auch: Airfryer: Darum ist die Heißluftfritteuse so Beliebt)
Wie wurde der hohe Plug-in Hybrid Verbrauch ermittelt?
Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) hat für seine Studie Echtdaten von knapp einer Million Fahrzeuge verschiedener Hersteller mit den Baujahren 2021 bis 2023 ausgewertet. Diese Daten stammen aus dem realen Fahrbetrieb der Fahrzeuge und geben somit ein realistisches Bild des tatsächlichen Verbrauchs. Die Auswertung umfasste sowohl den Kraftstoffverbrauch als auch den Stromverbrauch im Elektromodus. Die Daten wurden anonymisiert und aggregiert, um Rückschlüsse auf einzelne Fahrer zu vermeiden.
Die Analyse zeigte, dass der durchschnittliche Normverbrauch der untersuchten Plug-in-Hybride bei etwa 1,5 Litern auf 100 Kilometern lag, während der reale Verbrauch bei etwa 6 Litern pro 100 Kilometer lag. Auch im überwiegend elektrischen Entlademodus verbrauchten die Fahrzeuge durchschnittlich etwa 3 Liter pro 100 Kilometer, was deutlich über den Erwartungen lag.
Welche Auswirkungen haben die Ergebnisse auf die EU-Flottenziele?
Die Diskrepanz zwischen dem Normverbrauch und dem realen Plug-In Hybrid Verbrauch hat erhebliche Auswirkungen auf die Erreichung der EU-Flottenziele. Die Autohersteller müssen bestimmte CO2-Emissionswerte einhalten, die auf Grundlage des Normverbrauchs berechnet werden. Wenn die Fahrzeuge im realen Fahrbetrieb jedoch deutlich mehr CO2 ausstoßen, als angegeben, wird es schwieriger, die Flottenziele zu erreichen. Dies könnte dazu führen, dass die Autohersteller Strafzahlungen leisten müssen oder gezwungen sind, ihre Modellpalette anzupassen.
Eine Anpassung der EU-Regularien, wie von den Wissenschaftlern gefordert, könnte dazu führen, dass die Autohersteller strengere Vorgaben bei der Berechnung des Kraftstoffverbrauchs von Plug-in-Hybriden einhalten müssen. Dies würde die Anrechnung von Plug-in-Hybriden auf die Flottenziele reduzieren und die Hersteller dazu zwingen, verstärkt auf andere Antriebsarten wie reine Elektrofahrzeuge oder Brennstoffzellenfahrzeuge zu setzen.
Die EU-Flottenziele legen fest, wie viel CO2 die Neuwagenflotte eines Herstellers durchschnittlich ausstoßen darf. Die Ziele werden schrittweise verschärft, um die Emissionen im Verkehrssektor zu reduzieren und die Klimaziele der EU zu erreichen. Die Einhaltung der Flottenziele wird von der EU-Kommission überwacht. (Lesen Sie auch: Bayer Glyphosat Vergleich: Milliarden-Deal Beendet Rechtsstreit?)
Wie können Autofahrer den Plug-in Hybrid Verbrauch beeinflussen?
Auch wenn der Plug-In Hybrid Verbrauch im Alltag oft höher ist als angegeben, können Autofahrer dennoch Maßnahmen ergreifen, um den Verbrauch zu senken. Dazu gehört in erster Linie eine bewusste Fahrweise, die auf eine möglichst effiziente Nutzung der elektrischen Reichweite abzielt. Vermeiden Sie unnötige Beschleunigungen und Bremsungen, fahren Sie vorausschauend und nutzen Sie die Rekuperation, um Bremsenergie zurückzugewinnen. Laden Sie das Fahrzeug regelmäßig auf, um den Elektromodus optimal nutzen zu können.
Zusätzlich können Sie den Reifendruck regelmäßig überprüfen und anpassen, unnötigen Ballast vermeiden und auf aerodynamische Anbauteile verzichten. Auch die Wahl der Fahrstrecke kann einen Einfluss auf den Verbrauch haben. Vermeiden Sie möglichst Staus und stark befahrene Strecken, da diese den Verbrauch erhöhen. Informationen zur effizienten Fahrweise bietet beispielsweise der ADAC.
Praxis-Tipp: Nutzen Sie Apps oder Bordcomputer-Funktionen, um Ihren Fahrstil zu analysieren und Verbesserungspotenziale zu erkennen. Viele Plug-in-Hybride bieten spezielle Modi für eine besonders effiziente Fahrweise.
Welche Rolle spielen neue Messverfahren für den Plug-in Hybrid Verbrauch?
Die Kritik am hohen Plug-In Hybrid Verbrauch im realen Fahrbetrieb hat dazu geführt, dass die Regeln für die Verbrauchsmessung von Plug-in-Hybriden verschärft wurden. Die neuen Messverfahren sollen den tatsächlichen Verbrauch besser widerspiegeln und die Diskrepanz zwischen Normverbrauch und Realverbrauch verringern. Es ist jedoch noch unklar, ob die neuen Verfahren tatsächlich zu einer deutlichen Verbesserung führen werden.

Die neuen Messverfahren berücksichtigen unter anderem eine realitätsnähere Nutzung der elektrischen Reichweite und eine stärkere Gewichtung des Verbrennungsmotors. Auch die Prüfbedingungen wurden angepasst, um den Einfluss von Faktoren wie Temperatur und Fahrstil besser zu berücksichtigen. Es bleibt abzuwarten, ob die neuen Verfahren dazu beitragen werden, das Vertrauen der Verbraucher in die Verbrauchsangaben von Plug-in-Hybriden wiederherzustellen. Informationen zu den neuen Messverfahren finden Sie auf der Seite des Kraftfahrt-Bundesamtes. (Lesen Sie auch: Inflation Schnitzelpreis: Bayern Diskutiert Alte Preise)
Häufig gestellte Fragen
Warum weicht der Kraftstoffverbrauch von Plug-in-Hybriden so stark von den Herstellerangaben ab?
Die Diskrepanz entsteht, weil die Herstellerangaben unter unrealistischen Laborbedingungen ermittelt werden. Faktoren wie Fahrstil, Streckenprofil und Nutzung der elektrischen Reichweite werden nicht ausreichend berücksichtigt, was zu deutlich niedrigeren Verbrauchswerten führt.
Welche Auswirkungen hat der höhere Kraftstoffverbrauch auf die Umweltbilanz von Plug-in-Hybriden?
Ein höherer Kraftstoffverbrauch führt zu höheren CO2-Emissionen, was die Umweltbilanz des Fahrzeugs verschlechtert. Plug-in-Hybride sind dann weniger umweltfreundlich als erwartet und tragen stärker zum Klimawandel bei.
Wie kann ich als Fahrer den Kraftstoffverbrauch meines Plug-in-Hybriden senken?
Sie können den Verbrauch durch eine vorausschauende Fahrweise, regelmäßiges Aufladen der Batterie und konsequente Nutzung des Elektromodus senken. Vermeiden Sie unnötige Beschleunigungen und Bremsungen und optimieren Sie den Reifendruck. (Lesen Sie auch: Mehrwertsteuer Erhöhung: Fratzscher warnt vor Fatalen Folgen)
Werden die Messverfahren für den Kraftstoffverbrauch von Plug-in-Hybriden angepasst?
Ja, die Messverfahren werden verschärft, um den realen Verbrauch besser widerzuspiegeln. Die neuen Verfahren sollen realitätsnähere Bedingungen berücksichtigen und die Diskrepanz zwischen Normverbrauch und Realverbrauch verringern.
Was bedeutet der höhere Realverbrauch für die Autohersteller und die EU-Flottenziele?
Der höhere Realverbrauch erschwert die Einhaltung der EU-Flottenziele, da die Autohersteller mehr CO2 ausstoßen als erwartet. Dies kann zu Strafzahlungen führen und die Hersteller dazu zwingen, verstärkt auf alternative Antriebsarten zu setzen.
Der hohe Plug-In Hybrid Verbrauch im realen Fahrbetrieb ist ein Problem, das sowohl für Autofahrer als auch für die Umwelt negative Folgen hat. Es ist wichtig, dass die Autohersteller realitätsnähere Verbrauchsangaben liefern und die EU-Regularien entsprechend angepasst werden. Als Autofahrer können Sie durch eine bewusste Fahrweise und regelmäßiges Aufladen der Batterie dazu beitragen, den Verbrauch Ihres Plug-in-Hybriden zu senken.




