Prozess Friedland: Wer ist der Täter, was geschah am Bahnhof Friedland, wann und wo ereignete sich die Tat, und warum musste die 16-jährige Liana sterben? Vor dem Landgericht Göttingen hat der Prozess gegen einen 31-jährigen Iraker begonnen, der beschuldigt wird, die Jugendliche am Bahnhof Friedland vor einen Güterzug gestoßen zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht von einer möglichen Schuldunfähigkeit des Mannes aus.

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Zusammenfassung
- Ein 31-Jähriger steht vor Gericht, angeklagt des Totschlags an der 16-jährigen Liana.
- Die Staatsanwaltschaft geht von möglicher Schuldunfähigkeit des Angeklagten aus.
- Der Fall erregte bundesweite Aufmerksamkeit, da der Angeklagte ausreisepflichtig war.
- Die Mutter des Opfers brachte ein Bild ihrer Tochter in den Gerichtssaal.
Gerichtsprozess in Friedland soll die Hintergründe der Tat aufklären
Das Landgericht Göttingen muss nun klären, ob der 31-jährige Angeklagte tatsächlich für den Tod der 16-jährigen Liana verantwortlich ist. Die Staatsanwaltschaft Göttingen geht davon aus, dass der Mann zum Tatzeitpunkt möglicherweise nicht schuldfähig war. Daher handelt es sich um ein sogenanntes Sicherungsverfahren. Im Rahmen dieses Verfahrens wird nicht nur die Täterschaft des Beschuldigten geprüft, sondern auch, ob er aufgrund seines psychischen Zustands in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden muss. Der Angeklagte äußerte sich am ersten Verhandlungstag nicht zu den Vorwürfen.
Der Fall der Auszubildenden aus Geisleden in Thüringen, die 2022 mit ihrer Familie aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtet war, sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Er beschäftigt auch die Politik, weil der ausreisepflichtige Iraker nach den europäischen Asylregeln schon Monate vor der Tat von Deutschland nach Litauen hätte gebracht werden sollen.
Sicherungsverfahren werden in Deutschland durchgeführt, wenn eine Person eine rechtswidrige Tat begangen hat, aber aufgrund einer psychischen Erkrankung oder einer anderen Beeinträchtigung ihrer Schuldfähigkeit nicht oder nur vermindert schuldfähig ist. Ziel ist es, die Allgemeinheit vor weiteren Straftaten durch den Betroffenen zu schützen.
Wie lief der erste Verhandlungstag im Prozess Friedland ab?
Zu Beginn der Verhandlung betrat der Beschuldigte den Gerichtssaal leicht gebückt. Während einer Zeugenbefragung beklagte er eine rassistische Behandlung durch eine Polizistin am Tatort. Die Mutter des Opfers wirkte zunächst gefasst. Vor ihr auf dem Tisch platzierte sie weiße Rosen und ein Bild ihrer toten Tochter. Als später Leichenfotos vom Bahnhof in Friedland gezeigt wurden, brach sie in Tränen aus. Wie Stern berichtet, verfolgte der Verdächtige die Verhandlung durchgehend mit angelegten Handschellen auf Empfehlung seiner Betreuer. Er sitzt derzeit im Maßregelvollzug ein. (Lesen Sie auch: „Cold Case“: Gericht verhandelt nach 42 Jahren…)
Die Staatsanwaltschaft Göttingen geht davon aus, dass von dem Beschuldigten eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht, und strebt eine Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung an. Am ersten Verhandlungstag äußerte sich die Staatsanwaltschaft Göttingen zu den Vorwürfen und es wurden Polizisten und Polizistinnen als Zeugen vernommen.
Demnach soll der Beschuldigte bereits vor der Tat unter psychischen Problemen gelitten haben. Ob diese Probleme seine Schuldfähigkeit beeinflusst haben, ist nun Gegenstand der Verhandlung. Die Ermittler rekonstruierten, dass der Güterzug den Bahnhof Friedland mit einer Geschwindigkeit von etwa 100 Kilometern pro Stunde passiert hatte.
Der Maßregelvollzug ist eine Einrichtung, in der psychisch kranke oder suchtkranke Straftäter untergebracht werden, um sie zu therapieren und die Allgemeinheit vor weiteren Straftaten zu schützen. Die Unterbringung erfolgt auf richterliche Anordnung.
Welche Rolle spielen die europäischen Asylregeln in diesem Fall?
Der Fall wirft auch Fragen nach der Umsetzung der europäischen Asylregeln auf. Der Beschuldigte war ausreisepflichtig und hätte nach den Dublin-Regeln bereits Monate vor der Tat nach Litauen überstellt werden sollen. Warum dies nicht geschah, ist Gegenstand interner Untersuchungen. Die Versäumnisse in diesem Bereich könnten dazu beigetragen haben, dass es überhaupt zu der tragischen Tat kommen konnte. Die Dublin-Verordnung regelt, welcher EU-Staat für die Bearbeitung eines Asylantrags zuständig ist.
Die Tatsache, dass ein ausreisepflichtiger Mann, der möglicherweise eine Gefahr darstellte, sich frei in Deutschland bewegen konnte, hat eine breite gesellschaftliche Debatte ausgelöst. Kritiker fordern eine konsequentere Durchsetzung der Ausreisepflicht und eine bessere Überwachung von potenziell gefährlichen Personen. (Lesen Sie auch: Folterprozess Wien: Anklage gegen Assad-Vertreter Rechtswirksam)
Wie geht der Prozess Friedland weiter?
In den kommenden Verhandlungstagen werden weitere Zeugen gehört und Gutachter ihre Einschätzungen zum psychischen Zustand des Angeklagten abgeben. Es wird erwartet, dass der Prozess mehrere Wochen dauern wird. Am Ende wird das Gericht entscheiden, ob der Angeklagte für die Tat verantwortlich ist und ob er in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden muss. Die Entscheidung wird maßgeblich davon abhängen, inwieweit die Schuldfähigkeit des Angeklagten zum Tatzeitpunkt eingeschränkt war. Der Ausgang des Prozesses wird nicht nur für die Angehörigen des Opfers von Bedeutung sein, sondern auchSignalwirkung für den Umgang mit psychisch kranken Straftätern in Deutschland haben.
Das Bundesjustizamt bietet Informationen zum Ablauf und den rechtlichen Grundlagen von Sicherungsverfahren.
| Fakt | Details |
|---|---|
| Opfer | Liana, 16 Jahre alt, Auszubildende aus Geisleden |
| Täter | 31-jähriger Iraker, ausreisepflichtig |
| Tatort | Bahnhof Friedland, Südniedersachsen |
| Anklage | Totschlag |
| Verfahren | Sicherungsverfahren wegen möglicher Schuldunfähigkeit |
Die Tagesschau berichtet regelmäßig über aktuelle Gerichtsprozesse und deren Hintergründe.
Liana flieht mit ihrer Familie aus der Ukraine nach Deutschland.
Der Beschuldigte ist ausreisepflichtig und hätte nach Litauen überstellt werden sollen.
Liana wird am Bahnhof Friedland vor einen Güterzug gestoßen.

Der Prozess gegen den Beschuldigten beginnt vor dem Landgericht Göttingen. (Lesen Sie auch: Jugendliche Zukunft Sorgen: Wie Pessimistisch Sind Junge…)
Häufig gestellte Fragen
Was genau ist ein Sicherungsverfahren im deutschen Rechtssystem?
Ein Sicherungsverfahren wird durchgeführt, wenn eine Person eine rechtswidrige Tat begangen hat, aber möglicherweise nicht schuldfähig ist. Ziel ist es, zu klären, ob die Person die Tat begangen hat und ob von ihr eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht, die eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus erforderlich macht.
Welche Rolle spielt die psychische Gesundheit des Angeklagten im Prozess Friedland?
Die psychische Gesundheit des Angeklagten ist von zentraler Bedeutung. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt möglicherweise nicht schuldfähig war. Daher wird im Prozess geklärt, ob er aufgrund einer psychischen Erkrankung oder Beeinträchtigung in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden muss.
Warum erregte der Fall Friedland bundesweite Aufmerksamkeit?
Der Fall erregte bundesweite Aufmerksamkeit, weil das Opfer aus der Ukraine geflüchtet war und der Beschuldigte ausreisepflichtig war. Die Frage, warum der Mann sich trotz Ausreisepflicht noch in Deutschland aufhielt, führte zu einer politischen Debatte über die Umsetzung der europäischen Asylregeln. (Lesen Sie auch: Toter Surfer Algarve: Deutscher Stirbt bei Surf-Unglück)
Was sind die möglichen Konsequenzen für den Angeklagten im Prozess Friedland?
Die möglichen Konsequenzen hängen vom Ausgang des Prozesses ab. Wenn das Gericht feststellt, dass der Angeklagte die Tat begangen hat und schuldfähig ist, droht ihm eine Freiheitsstrafe. Wenn das Gericht jedoch von einer Schuldunfähigkeit ausgeht, kann er in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden.
Wie beeinflusst der Prozess Friedland die politische Diskussion über Asylrecht?
Der Fall hat die politische Diskussion über das Asylrecht und die Durchsetzung der Ausreisepflicht neu entfacht. Kritiker fordern eine konsequentere Anwendung der bestehenden Gesetze und eine bessere Überwachung von potenziell gefährlichen Personen, um ähnliche Tragödien in Zukunft zu verhindern.
Der Prozess Friedland wird zeigen, inwieweit die Justiz die Umstände dieser tragischen Tat aufklären und eine angemessene Entscheidung treffen kann. Der Fall verdeutlicht die Komplexität von Sicherungsverfahren und die Notwendigkeit einer umfassenden Auseinandersetzung mit den psychischen Erkrankungen von Straftätern.




