Das Intervallfasten, lange Zeit als Wundermittel zur Gewichtsreduktion gefeiert, scheint laut einer aktuellen Cochrane-Studie weniger effektiv zu sein als gedacht. Die Analyse zeigt, dass der Gewichtsverlust durch Intervallfasten möglicherweise nicht größer ist als bei herkömmlichen Diäten.

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Analyse-Ergebnis
- Intervallfasten führt nicht zu signifikant größerem Gewichtsverlust als andere Diätformen.
- Die Lebensqualität verbessert sich durch Intervallfasten nicht messbar.
- Die Studienlage ist noch unsicher, weitere Forschung ist notwendig.
- Soziale Medien übertreiben möglicherweise die Wirksamkeit des Intervallfastens.
Intervallfasten Studie: Was steckt hinter der Ernüchterung?
Die Popularität des Intervallfastens, bei dem sich Phasen der Nahrungsaufnahme mit Phasen des Fastens abwechseln, ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Doch die neue Übersichtsarbeit der britischen Cochrane-Organisation, die regelmäßig hochwertige Analysen zu Gesundheitsthemen veröffentlicht, wirft nun Fragen auf. Die Forscher um Luis Garegnani vom Universidad Hospital Italiano in Buenos Aires (Argentinien) analysierten 22 Studien mit knapp 2.000 Teilnehmern, um herauszufinden, ob Intervallfasten tatsächlich wirksamer ist als herkömmliche Diäten und ob es die Lebensqualität verbessert. Wie Stern berichtet, zeigte die Analyse keinen signifikant besseren Effekt bei der Gewichtsabnahme.
H3: Ist Intervallfasten also völlig wirkungslos?
Nein, das ist nicht der Fall. Die Studie deutet lediglich darauf hin, dass der Hype möglicherweise übertrieben ist. Für manche Menschen kann Intervallfasten durchaus eine praktikable Option sein, um Gewicht zu verlieren oder ihre Gesundheit zu verbessern. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Gewichtsabnahme durch Intervallfasten nicht größer ist als bei herkömmlichen Diäten. Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass die Lebensqualität verbessert wird. (Lesen Sie auch: Fasten Umfrage: Junge Menschen Finden Sinnvoll)
Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren im Jahr 2022 rund 2,5 Milliarden Menschen weltweit übergewichtig. Das entspricht 43 Prozent der Erwachsenen ab 18 Jahren. 890 Millionen von ihnen – 16 Prozent aller Erwachsenen – waren adipös.
Welche Intervallfasten-Methoden wurden untersucht?
Die untersuchten Studien umfassten verschiedene Formen des Intervallfastens. Zu den gängigsten Methoden gehören das 16/8-Fasten, bei dem innerhalb eines Zeitfensters von acht Stunden gegessen und 16 Stunden gefastet wird, sowie das 5:2-Fasten, bei dem an fünf Tagen der Woche normal gegessen und an zwei Tagen die Kalorienzufuhr stark reduziert wird. Auch alternative Tagesfasten-Methoden, bei denen sich normale Ernährungstage mit Tagen mit sehr geringer Kalorienzufuhr abwechseln, wurden berücksichtigt. Es ist wichtig zu betonen, dass die Ergebnisse der Studie nicht bedeuten, dass Intervallfasten generell unwirksam ist, sondern vielmehr, dass es keine überlegene Methode zur Gewichtsreduktion darstellt.
Warum ist die Studienlage zum Intervallfasten so unsicher?
Jörg Meerpohl vom Universitätsklinikum Freiburg, Direktor von Cochrane Deutschland, der nicht an der Studie beteiligt war, betont die Unsicherheiten in der Studienlage. „Es handelt sich dabei bislang nur um Hinweise, nicht um einen Beweis – das heißt, wir können die Wirksamkeit von Intervallfasten noch nicht mit ausreichender Sicherheit beurteilen“, erklärte er. Ein Grund für die Unsicherheit ist die Heterogenität der Studien. Die untersuchten Studien unterscheiden sich in Bezug auf die Art des Intervallfastens, die Dauer der Intervention, die Zusammensetzung der Teilnehmer und die Kontrollgruppen. Dies erschwert es, eindeutige Schlussfolgerungen zu ziehen. Zudem sind viele Studien relativ klein und haben eine kurze Laufzeit, was die Aussagekraft der Ergebnisse einschränkt. Um die Wirksamkeit des Intervallfastens besser beurteilen zu können, sind weitere, groß angelegte und langfristige Studien erforderlich. (Lesen Sie auch: Wetter: Winterliches Wetter zum Rosenmontag – Schnee,…)
Welche Rolle spielen individuelle Faktoren beim Intervallfasten?
Neben den methodischen Herausforderungen der Forschung spielt auch die Individualität eine wichtige Rolle. Jeder Mensch reagiert anders auf verschiedene Ernährungsformen. Was für den einen gut funktioniert, muss für den anderen nicht zwangsläufig gelten. Faktoren wie genetische Veranlagung, Stoffwechsel, Lebensstil und persönliche Vorlieben können die Wirksamkeit des Intervallfastens beeinflussen. Einige Menschen finden es beispielsweise einfacher, lange Fastenperioden einzuhalten, während andere mit häufigeren, kürzeren Fastenintervallen besser zurechtkommen. Es ist daher wichtig, eine Ernährungsstrategie zu finden, die zu den individuellen Bedürfnissen und Vorlieben passt. Eine professionelle Ernährungsberatung kann dabei helfen, die optimale Methode zu finden und mögliche Risiken zu minimieren.
H3: Kann Intervallfasten auch negative Auswirkungen haben?
Obwohl Intervallfasten für viele Menschen sicher ist, kann es auch negative Auswirkungen haben. Einige Personen berichten von Müdigkeit, Kopfschmerzen, Reizbarkeit oder Verdauungsproblemen während der Fastenperioden. Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, wie Diabetes oder Essstörungen, sollten vor Beginn des Intervallfastens unbedingt ärztlichen Rat einholen. Schwangere und stillende Frauen sowie Kinder und Jugendliche sollten ebenfalls auf Intervallfasten verzichten. Es ist wichtig, auf den eigenen Körper zu hören und bei Beschwerden das Intervallfasten abzubrechen. Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Flüssigkeitszufuhr sind auch während der Essensphasen entscheidend, um Mangelerscheinungen vorzubeugen.
Die Cochrane Collaboration ist ein globales Netzwerk von Forschern, Fachleuten und Patienten, das sich zum Ziel gesetzt hat, evidenzbasierte Informationen im Gesundheitswesen bereitzustellen. Die Organisation erstellt systematische Übersichtsarbeiten, in denen die Ergebnisse verschiedener Studien zu einem bestimmten Thema zusammengefasst und bewertet werden. Diese Übersichtsarbeiten dienen als Grundlage für evidenzbasierte Entscheidungen in der Medizin und im Gesundheitswesen. (Lesen Sie auch: Kormoran Angelhaken: Vogel Sucht Hilfe in Bremer…)

Wie geht es weiter mit der Intervallfasten-Forschung?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) betont, dass weitere Forschung erforderlich ist, um die langfristigen Auswirkungen des Intervallfastens auf die Gesundheit besser zu verstehen. Zukünftige Studien sollten sich auf spezifische Bevölkerungsgruppen konzentrieren und verschiedene Intervallfasten-Methoden vergleichen. Es ist auch wichtig, die Auswirkungen des Intervallfastens auf andere Gesundheitsaspekte, wie den Blutzuckerspiegel, den Cholesterinspiegel und die Entzündungsmarker, genauer zu untersuchen. Darüber hinaus sollten Studien die Rolle individueller Faktoren bei der Wirksamkeit des Intervallfastens berücksichtigen. Nur so kann ein umfassendes Bild der Vor- und Nachteile dieser Ernährungsform entstehen.
Die aktuelle Intervallfasten Studie zeigt, dass der Hype um das Intervallfasten möglicherweise nicht gerechtfertigt ist. Es ist wichtig, sich nicht von kurzlebigen Trends blenden zu lassen, sondern auf wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse und individuelle Bedürfnisse zu achten. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und ein gesunder Lebensstil sind nach wie vor die wichtigsten Faktoren für eine erfolgreiche Gewichtsreduktion und eine langfristige Gesundheit.




