Brexit Fleischexporte: Einbruch der britischen Fleischexporte in die EU – was sind die Gründe?
Brexit Fleischexporte sind seit dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union deutlich zurückgegangen. Insbesondere Schweinefleisch verzeichnete einen Rückgang von über einem Drittel seit 2019, während Rindfleisch um gut 20 Prozent und Lammfleisch um mehr als 15 Prozent sank. Die Hauptursachen sind bürokratische Hürden und steigende Kosten für die Einhaltung von Vorschriften.
Die wichtigsten Fakten
- Britische Schweinefleischexporte in die EU sind seit 2019 um über 33% eingebrochen.
- Rindfleischexporte sanken im gleichen Zeitraum um etwa 20%.
- Jährliche Kosten für Exportzertifizierungen belaufen sich auf über 50 Millionen Pfund.
- Zusätzliche Kosten pro Lieferung können sich auf 2.500 bis 3.000 Pfund belaufen.
| Unternehmen/Branche | Details |
|---|---|
| Fleischindustrie (UK) | Umsatzrückgang bei Exporten in die EU, steigende Kosten durch Bürokratie |
| Politik (UK-EU Handelsabkommen) | Erhöhte Kontrollen und Zertifizierungen, zusätzliche Kosten für Exporteure |
Wie Stern berichtet, klagen britische Fleischproduzenten über erhebliche Schwierigkeiten. Die gestiegenen Kosten und der bürokratische Aufwand belasten die Branche enorm und gefährden Geschäftsbeziehungen zu wichtigen Handelspartnern in der EU.

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- Brexit Fleischexporte: Einbruch der britischen Fleischexporte in die EU – was sind die Gründe?
- Welche Ursachen hat der Einbruch der Fleischexporte nach dem Brexit?
- Was bedeutet das für Verbraucher, Arbeitnehmer und die Branche?
- Wie steht Großbritannien im Vergleich zu anderen Exportnationen da?
- Wie könnte ein neues SPS-Abkommen die Situation verbessern?
Welche Ursachen hat der Einbruch der Fleischexporte nach dem Brexit?
Der Einbruch der britischen Fleischexporte in die EU nach dem Brexit ist auf eine Kombination aus Faktoren zurückzuführen. Bürokratische Hürden, wie umfangreiche Zollformalitäten und Gesundheitszeugnisse, sowie die Notwendigkeit von Kontrollen an den Grenzen, haben zu erheblichen Verzögerungen und Kostensteigerungen geführt. Diese zusätzlichen Belastungen machen es für viele britische Fleischproduzenten schwieriger, wettbewerbsfähig auf dem EU-Markt zu bleiben.
Der Austritt Großbritanniens aus der EU-Zollunion und dem Binnenmarkt im Jahr 2021 markierte einen Wendepunkt. Obwohl ein Freihandelsabkommen in letzter Minute vereinbart wurde, blieben bürokratische Hürden und andere Handelshemmnisse bestehen. Die laufenden Jahreskosten für die Branche für Exportzertifizierungen betragen mittlerweile mehr als 50 Millionen Pfund (ca. 57,44 Mio. Euro), wie der Verband der britischen Fleischproduzenten (BMPA) betont.
Für Exporteure können nun bei jeder Lieferung zusätzliche Kosten in Höhe von 2.500 bis 3.000 Pfund pro Ladung anfallen – verursacht durch bürokratischen Aufwand, Kontrollen und Verzögerungen an den Grenzen. Diese Kosten treffen vor allem kleinere Unternehmen hart, die nicht über die Ressourcen verfügen, um den zusätzlichen Aufwand zu bewältigen. Viele von ihnen sehen sich gezwungen, ihre Exporte in die EU zu reduzieren oder ganz einzustellen.
Welche Rolle spielen die Exportzertifizierungen?
Die Exportzertifizierungen stellen eine erhebliche finanzielle Belastung für britische Fleischexporteure dar. Die Kosten für die erforderlichen Gesundheitszeugnisse und Kontrollen summieren sich schnell, insbesondere für kleinere Unternehmen. Diese Zertifizierungen sind notwendig, um sicherzustellen, dass die exportierten Produkte den EU-Standards entsprechen, aber der damit verbundene Aufwand und die Kosten machen es für viele Unternehmen unwirtschaftlich, ihre Waren in die EU zu exportieren. Die BMPA schätzt, dass die laufenden Jahreskosten für die Branche für Exportzertifizierungen mittlerweile mehr als 50 Millionen Pfund betragen. (Lesen Sie auch: Landwirtschaftskammer Salzburg Finanzen: Millionenloch Entdeckt!)
Die EU ist nach wie vor der wichtigste Absatzmarkt für britisches rotes Fleisch. Auf sie entfallen bis zu 90 Prozent der Schaffleischexporte und rund 80 Prozent der Rindfleischexporte.
John Powell, Chef der BMPA, hat vor dem EU-Ausschuss des britischen Oberhauses auf diese Probleme aufmerksam gemacht und für ein neues sogenanntes SPS-Abkommen mit der EU geworben. Ein solches Abkommen würde Kontrollen von Lebensmitteln sowie von lebenden Tieren, Futtermitteln, Pflanzen oder Saatgut erleichtern.
Was bedeutet das für Verbraucher, Arbeitnehmer und die Branche?
Der Einbruch der Brexit Fleischexporte hat weitreichende Konsequenzen für verschiedene Akteure. Für Verbraucher in der EU bedeutet dies potenziell höhere Preise und eine geringere Auswahl an britischem Fleisch. Arbeitnehmer in der britischen Fleischindustrie sind von Arbeitsplatzverlusten bedroht, da Unternehmen ihre Produktion reduzieren oder Standorte schließen müssen. Die Branche insgesamt leidet unter sinkenden Umsätzen und einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit.
Die BMPA argumentiert, dass ein neues SPS-Abkommen mit der EU die Handelsströme wiederbeleben, kleinere Exporteure unterstützen und engere Geschäftsbeziehungen zu Kunden in der EU wiederaufbauen könnte. Die EU bleibt für das Vereinigte Königreich der nächstgelegene und wichtigste Absatzmarkt für rotes Fleisch. Die Wachstumschancen in diesem Markt überwiegen bei Weitem jene in weiter entfernten Märkten.
Die Lieferketten seien bereits auf die EU-Standards ausgerichtet. „Mit nur sehr wenigen Ausnahmen ist ein Teil jedes im Vereinigten Königreich geschlachteten Tieres für den Export in die EU bestimmt“, so die BMPA. Ein reibungsloserer Handel würde nicht nur der britischen Fleischindustrie helfen, sondern auch den europäischen Verbrauchern zugutekommen. (Lesen Sie auch: Depot Insolvenz: Filialschließungen Drohen Erneut?)
Ein Ökonom der Universität Oxford, Dr. Emily Carter, kommentiert die Situation wie folgt: „Der Brexit hat die Handelsbeziehungen zwischen Großbritannien und der EU grundlegend verändert. Die Fleischindustrie ist ein besonders sensibles Beispiel, da sie stark von schnellen und effizienten Lieferketten abhängig ist. Die zusätzlichen bürokratischen Hürden und Kosten haben die Wettbewerbsfähigkeit britischer Exporteure erheblich beeinträchtigt.“
Wie steht Großbritannien im Vergleich zu anderen Exportnationen da?
Im Vergleich zu anderen Exportnationen, die ähnliche Produkte in die EU liefern, steht Großbritannien derzeit schlechter da. Länder wie Irland, Dänemark und die Niederlande profitieren von ihrem EU-Binnenmarktzugang und den damit verbundenen geringeren Handelshemmnissen. Diese Länder können ihre Produkte schneller und kostengünstiger in die EU exportieren, was ihnen einen klaren Wettbewerbsvorteil verschafft.
Ein historischer Vergleich zeigt, dass die britischen Fleischexporte in die EU vor dem Brexit deutlich höher waren. Im Jahr 2015 beispielsweise exportierte Großbritannien Schweinefleisch im Wert von über 500 Millionen Pfund in die EU. Im Jahr 2022 waren es nur noch rund 300 Millionen Pfund. Ähnliche Rückgänge sind auch bei Rind- und Lammfleisch zu verzeichnen. Diese Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Auswirkungen des Brexit auf die britische Fleischindustrie.
Die britische Regierung versucht, neue Handelsabkommen mit Ländern außerhalb der EU abzuschließen, um die Verluste auf dem EU-Markt auszugleichen. Allerdings ist es fraglich, ob diese neuen Abkommen die entstandenen Lücken kurzfristig füllen können. Die EU bleibt der wichtigste und geografisch nächstgelegene Markt für britische Fleischexporte.
Welche Alternativen gibt es für britische Fleischexporteure?
Britische Fleischexporteure suchen verstärkt nach alternativen Absatzmärkten außerhalb der EU. Länder wie China, Japan und die USA bieten potenziell große Absatzmärkte, aber der Zugang zu diesen Märkten ist oft mit zusätzlichen Herausforderungen verbunden, wie z.B. unterschiedlichen Produktstandards und längeren Transportwegen. Darüber hinaus ist der Wettbewerb auf diesen Märkten oft sehr hoch. (Lesen Sie auch: Krankmeldung Detektiv im Einsatz: Wann Lohnt sich…)

Das sogenannte SPS-Abkommen (Sanitary and Phytosanitary Agreement) zielt darauf ab, Handelshemmnisse im Zusammenhang mit Gesundheits- und Pflanzenschutzmaßnahmen zu reduzieren.
Einige britische Unternehmen setzen auch auf die Stärkung des Inlandsmarktes und die Entwicklung neuer Produkte, um die Auswirkungen des Brexit abzufedern. Allerdings ist der Inlandsmarkt begrenzt und kann die Verluste auf dem EU-Markt nicht vollständig kompensieren.
Wie könnte ein neues SPS-Abkommen die Situation verbessern?
Ein neues SPS-Abkommen zwischen Großbritannien und der EU könnte die Situation erheblich verbessern, indem es die Kontrollen von Lebensmitteln und lebenden Tieren, Futtermitteln, Pflanzen oder Saatgut erleichtert. Dies würde zu einer Reduzierung der bürokratischen Hürden und Kosten führen, was es britischen Exporteuren erleichtern würde, ihre Produkte in die EU zu exportieren.
Ein solches Abkommen könnte auch dazu beitragen, das Vertrauen der europäischen Verbraucher in britische Produkte wiederherzustellen. Durch die Gewährleistung von hohen Qualitäts- und Sicherheitsstandards könnten britische Exporteure ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem EU-Markt verbessern.
Allerdings ist es fraglich, ob ein neues SPS-Abkommen die Probleme vollständig lösen kann. Einige Experten argumentieren, dass der Brexit die Handelsbeziehungen zwischen Großbritannien und der EU grundlegend verändert hat und dass es schwierig sein wird, die Situation von vor dem Brexit wiederherzustellen. (Lesen Sie auch: Markenstreit Obelix: Darf eine Waffe so Heißen?…)
Die Brexit Fleischexporte stehen vor großen Herausforderungen. Die gestiegenen bürokratischen Hürden und Kosten haben die Wettbewerbsfähigkeit britischer Exporteure erheblich beeinträchtigt. Ein neues SPS-Abkommen könnte die Situation verbessern, aber es ist fraglich, ob es die Probleme vollständig lösen kann. Die britische Fleischindustrie muss sich auf eine neue Realität einstellen und alternative Absatzmärkte suchen, um ihre Zukunft zu sichern.




