Digital Services Act: Plattformen Verstoßen gegen EU-Recht

Der Digital Services Act (DSA) verpflichtet Online-Plattformen zu transparenten und leicht zugänglichen Meldeverfahren für illegale Inhalte. Eine aktuelle Studie des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) zeigt jedoch, dass viele Plattformen diese Anforderungen nicht erfüllen. Nutzer stehen demnach oft vor erheblichen Hürden, wenn sie beispielsweise Fakeshops oder Betrug melden wollen.
kurden iran

Der Digital Services Act (DSA) verpflichtet Online-Plattformen zu transparenten und leicht zugänglichen Meldeverfahren für illegale Inhalte. Eine aktuelle Studie des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) zeigt jedoch, dass viele Plattformen diese Anforderungen nicht erfüllen. Nutzer stehen demnach oft vor erheblichen Hürden, wenn sie beispielsweise Fakeshops oder Betrug melden wollen.

Symbolbild zum Thema Digital Services Act
Symbolbild: Digital Services Act (Bild: Picsum)

Zusammenfassung

  • Der Digital Services Act soll Nutzer vor illegalen Inhalten auf Online-Plattformen schützen.
  • Eine Studie des vzbv zeigt, dass viele Plattformen die Meldeverfahren unnötig kompliziert gestalten.
  • Nutzer müssen oft lange Klickwege und unübersichtliche Formulare bewältigen.
  • Verbraucherschützer fordern eine konsequente Umsetzung des DSA und Sanktionen bei Verstößen.

Digital Services Act: Verbraucherschützer sehen Handlungsbedarf

Populäre Online-Plattformen erschweren es Nutzern häufig, illegale Inhalte wie beispielsweise Werbung für betrügerische Fakeshops oder andere Rechtsverstöße zu melden. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Untersucht wurden fünf Online-Marktplätze (AliExpress, Amazon, Shein, Temu, Zalando) und fünf Social-Media-Plattformen (Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok, YouTube). Die Verbraucherschützer sehen in den bestehenden Mängeln einen Verstoß gegen geltendes europäisches Recht.

Der Digital Services Act (DSA) soll sicherstellen, dass Online-Plattformen leicht zugängliche und nutzerfreundliche Melde- und Beschwerdeverfahren anbieten. Die Studie des vzbv zeigt, dass die Plattformen zwar grundsätzlich Meldewege für illegale Inhalte anbieten, diese jedoch oft von technischen Hürden, manipulativen Designs und Intransparenz geprägt sind. Das Melden von Fakeshops oder Betrug wird so unnötig erschwert.

Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, kritisiert, dass Plattformen den Nutzern erhebliche Hürden in den Weg stellen. „Das muss sich ändern. Plattformen sind dazu verpflichtet, leicht zugängliche Möglichkeiten zur Meldung solcher Inhalte zur Verfügung zu stellen“, so Pop.

Im Detail bemängeln die Verbraucherschützer, dass die Meldewege in vielen Fällen schwer zugänglich und nicht immer nutzerfreundlich gestaltet sind. Lange Klickpfade, unübersichtliche Auswahllisten und Doppelungen bei geforderten Angaben erschwerten die Meldungen. Teilweise kamen vorgeschriebene Eingangsbestätigungen nicht an.

Die Verbraucherzentrale hat die betroffenen Unternehmen abgemahnt. „Wir fordern, dass die Unternehmen ihre Meldeverfahren unverzüglich anpassen, um Verbraucherinnen und Verbraucher besser vor Fakeshops und anderen illegalen Angeboten zu schützen“, sagte vzbv-Vorständin Ramona Pop. Andernfalls drohen den Unternehmen weitere rechtliche Schritte.

⚠️ Achtung

Nutzer sollten bei Online-Käufen stets wachsam sein und Angebote genau prüfen. Bei Verdacht auf einen Fakeshop sollte man den Shopbetreiber melden und gegebenenfalls Anzeige bei der Polizei erstatten. (Lesen Sie auch: Telekom KI Assistent startet Bald als dritte…)

Was genau sind die Kritikpunkte am Umgang der Plattformen mit dem Digital Services Act?

Die Kritikpunkte der Verbraucherschützer sind vielfältig. Ein zentraler Punkt ist die mangelnde Zugänglichkeit der Meldeverfahren. Oft sind diese tief in den Menüs der Plattformen versteckt und erfordern lange Klickwege. Zudem sind die Formulare zur Meldung von Inhalten oft unübersichtlich und kompliziert gestaltet. Nutzer müssen zahlreiche Angaben machen, die teilweise redundant sind. Auch die fehlende Transparenz wird kritisiert. Nutzer erhalten oft keine Rückmeldung über den Bearbeitungsstand ihrer Meldung oder die getroffenen Maßnahmen.

Ein weiteres Problem sind sogenannte „Dark Patterns“, also manipulative Designmuster, die Nutzer davon abhalten sollen, illegale Inhalte zu melden. Beispielsweise werden Nutzer durch suggestive Formulierungen oder irreführende Auswahlmöglichkeiten beeinflusst, sodass sie von einer Meldung absehen. Auch die fehlende Barrierefreiheit der Meldeverfahren wird bemängelt. Menschen mit Behinderungen haben oft Schwierigkeiten, die Meldeformulare auszufüllen oder die erforderlichen Nachweise zu erbringen.

Die Verbraucherschützer fordern, dass die Plattformen ihre Meldeverfahren grundlegend überarbeiten und nutzerfreundlicher gestalten. Dazu gehört eine einfache und intuitive Navigation, verständliche Formulare und eine transparente Kommunikation mit den Nutzern.

Wie Stern berichtet, sind von den genannten Mängeln sowohl große Online-Marktplätze als auch Social-Media-Plattformen betroffen.

Welche Konsequenzen drohen bei Verstößen gegen den Digital Services Act?

Der Digital Services Act sieht bei Verstößen gegen die Bestimmungen empfindliche Sanktionen vor. Die Europäische Kommission kann Bußgelder von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes des betreffenden Unternehmens verhängen. Bei wiederholten oder besonders schwerwiegenden Verstößen kann die Kommission die Plattform sogar zeitweise vom europäischen Markt ausschließen. Die nationalen Aufsichtsbehörden der EU-Mitgliedstaaten sind ebenfalls befugt, Bußgelder zu verhängen und andere Sanktionen zu ergreifen.

Die Durchsetzung des DSA obliegt in erster Linie den nationalen Behörden. In Deutschland ist die Bundesnetzagentur für die Überwachung der Einhaltung des DSA zuständig. Die Behörde kann von den Plattformen Auskünfte und Unterlagen anfordern, Vor-Ort-Kontrollen durchführen und bei Verstößen Bußgelder verhängen. Die Verbraucherzentralen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Durchsetzung des DSA. Sie können Plattformen abmahnen, wenn sie gegen die Bestimmungen des Gesetzes verstoßen, und gegebenenfalls Klage erheben.

Die Europäische Kommission hat angekündigt, die Einhaltung des DSA genau zu überwachen und bei Bedarf konsequent durchzusetzen. Ziel ist es, ein sicheres und transparentes Online-Umfeld für die Nutzer zu schaffen und die Meinungsfreiheit im Netz zu schützen.

💡 Tipp

Nutzer sollten sich nicht scheuen, illegale Inhalte auf Online-Plattformen zu melden. Je mehr Meldungen eingehen, desto größer ist der Druck auf die Plattformen, die Inhalte zu entfernen und ihre Meldeverfahren zu verbessern. (Lesen Sie auch: Social Media ältere Generation: Fluch oder Segen…)

Der Digital Services Act und die transatlantischen Beziehungen

Der Digital Services Act ist auch in den transatlantischen Beziehungen ein Thema. Die US-Regierung wirft der EU vor, mit dem DSA vor allem Zensurmaßnahmen umzusetzen. Insbesondere die Haftungsregeln des DSA, die Plattformen für illegale Inhalte auf ihren Seiten verantwortlich machen, stoßen in den USA auf Kritik. Die US-Regierung befürchtet, dass der DSA zu einer Einschränkung der Meinungsfreiheit im Internet führen könnte.

Die EU weist die Vorwürfe der USA zurück. Sie betont, dass der DSA nicht die Meinungsfreiheit einschränken soll, sondern vielmehr dazu dienen soll, illegale Inhalte zu bekämpfen und die Nutzer vor Schaden zu bewahren. Die EU ist bereit, mit den USA über den DSA zu diskutieren, hält aber an den Grundprinzipien des Gesetzes fest.

Die Auseinandersetzung um den DSA zeigt, dass die Regulierung des Internets ein komplexes und umstrittenes Thema ist. Die EU und die USA haben unterschiedliche Vorstellungen davon, wie das Internet reguliert werden soll. Es bleibt abzuwarten, wie sich die transatlantischen Beziehungen in diesem Bereich entwickeln werden.

Der Konflikt zwischen der EU und den USA bezüglich des DSA zeigt sich auch in der Bewertung von Bußgeldern, die aufgrund des Gesetzes verhängt werden. Die US-Regierung wertet diese Bußgelder teilweise als Kampfansage gegen amerikanische Technologieunternehmen.

August 2023
Inkrafttreten des DSA für sehr große Online-Plattformen und Suchmaschinen

Die ersten Bestimmungen des Digital Services Act gelten für die größten Akteure im Netz.

Detailansicht: Digital Services Act
Symbolbild: Digital Services Act (Bild: Picsum)
Februar 2024
Geltung des DSA für alle betroffenen Unternehmen

Der Digital Services Act gilt nun für alle Online-Plattformen, Online-Marktplätze und Suchmaschinen in der EU.

Wie geht es weiter mit dem Digital Services Act?

Die Europäische Kommission wird die Umsetzung des Digital Services Act weiterhin genau überwachen und bei Bedarf Anpassungen vornehmen. Ein wichtiger Schwerpunkt wird dabei auf der Durchsetzung der Bestimmungen des DSA liegen. Die Kommission wird eng mit den nationalen Aufsichtsbehörden zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die Plattformen ihre Verpflichtungen erfüllen. (Lesen Sie auch: Son Dakika: Eskalation im Iran)

Auch die Verbraucherzentralen werden weiterhin eine wichtige Rolle bei der Durchsetzung des DSA spielen. Sie werden die Meldeverfahren der Plattformen weiterhin kritisch beobachten und bei Verstößen rechtliche Schritte einleiten. Ziel ist es, ein sicheres und transparentes Online-Umfeld für die Nutzer zu schaffen.

Der Digital Services Act ist ein wichtiger Schritt zur Regulierung des Internets. Das Gesetz soll sicherstellen, dass Online-Plattformen ihrer Verantwortung gerecht werden und die Nutzer vor illegalen Inhalten und anderen Schäden schützen. Es bleibt zu hoffen, dass der DSA seine Ziele erreicht und zu einem besseren Online-Umfeld beiträgt.

Die Europäische Kommission hat im September 2023 erste Untersuchungen gegen einige Plattformen eingeleitet, um die Einhaltung des DSA zu überprüfen.

R

Über den Autor
✓ Verifiziert

Redaktion

Online-Redakteur

Unser erfahrenes Redaktionsteam recherchiert und verfasst täglich aktuelle Nachrichten und Hintergrundberichte zu relevanten Themen.

📰 Redaktion
✓ Geprüfter Inhalt

Häufig gestellte Fragen

Was bezweckt der Digital Services Act (DSA) konkret?

Der DSA zielt darauf ab, ein sichereres Online-Umfeld zu schaffen, indem er Online-Plattformen verpflichtet, illegale Inhalte schneller zu entfernen und transparentere Meldeverfahren anzubieten. Er soll Nutzer besser vor Desinformation und schädlichen Inhalten schützen.

Welche Unternehmen sind vom Digital Services Act betroffen?

Der DSA betrifft eine Vielzahl von Online-Diensten, darunter Online-Marktplätze wie Amazon und AliExpress, Social-Media-Plattformen wie Facebook und TikTok sowie Suchmaschinen wie Google und Bing. Die Größe des Unternehmens spielt dabei eine Rolle. (Lesen Sie auch: Google präsentiert Nano Banana 2: Schnellere)

Was können Nutzer tun, wenn sie illegale Inhalte entdecken?

Nutzer sollten illegale Inhalte über die Meldeverfahren der jeweiligen Plattform melden. Es ist ratsam, Screenshots oder andere Beweise zu sichern, bevor der Inhalt möglicherweise entfernt wird. Zudem kann man sich an Verbraucherzentralen wenden.

Welche Rolle spielt die Bundesnetzagentur bei der Durchsetzung des DSA?

Die Bundesnetzagentur ist in Deutschland für die Überwachung der Einhaltung des DSA zuständig. Sie kann Auskünfte von Plattformen anfordern, Kontrollen durchführen und bei Verstößen Bußgelder verhängen. Sie ist somit eine zentrale Anlaufstelle.

Wie hoch können die Bußgelder bei Verstößen gegen den DSA ausfallen?

Die Europäische Kommission kann bei Verstößen gegen den DSA Bußgelder von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes des betreffenden Unternehmens verhängen. Dies soll eine abschreckende Wirkung haben und die Einhaltung des Gesetzes gewährleisten.

Die Studie des Verbraucherzentrale Bundesverbands zeigt deutlich, dass die Umsetzung des Digital Services Act noch nicht ausreichend ist. Es bleibt zu hoffen, dass die abgemahnten Unternehmen ihre Meldeverfahren schnellstmöglich anpassen und die Nutzer zukünftig besser vor illegalen Inhalten geschützt werden.

Illustration zu Digital Services Act
Symbolbild: Digital Services Act (Bild: Picsum)
Previous Post
Next Post
Advertisement