Mit einer überwältigenden Mehrheit von 99 Prozent haben die Piloten der Lufthansa Cityline in einer Urabstimmung für einen Streik gestimmt. Dies könnte den Flugbetrieb der Lufthansa-Gruppe erheblich beeinträchtigen. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte zu der Abstimmung aufgerufen, an der sich 95 Prozent der Mitglieder beteiligten. Die hohe Zustimmung signalisiert eine deutliche Unzufriedenheit mit den bisherigen Angeboten der Lufthansa.

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- Hohe Streikbereitschaft bei Lufthansa Cityline-Piloten
- Tarifkonflikt bei der Muttergesellschaft spitzt sich ebenfalls zu
- Lufthansa schlägt externen Moderator vor
- Was bedeutet der Lufthansa Cityline Streik für Verbraucher und Arbeitnehmer?
- Historischer Vergleich: Streiks in der Luftfahrtbranche
- Wie geht es weiter im Tarifkonflikt?
Kernpunkte
- Piloten der Lufthansa Cityline stimmen mit 99% für Streik.
- Gewerkschaft VC fordert Vergütungsanpassungen von 3,3% jährlich für 2024-2026.
- Lufthansa plant Übergang der Cityline-Flüge zur neuen Lufthansa City Airlines.
- Tarifkonflikt bei der Muttergesellschaft dreht sich um Betriebsrenten.
- Lufthansa schlägt externen Moderator für Gespräche vor.
| Unternehmen: | Lufthansa Cityline |
|---|---|
| Umsatz: | Nicht öffentlich ausgewiesen (Teil der Lufthansa Group) |
| Gewinn/Verlust: | Nicht öffentlich ausgewiesen (Teil der Lufthansa Group) |
| Mitarbeiterzahl: | Ca. 500 Piloten |
| Branche: | Luftfahrt (Regionalverkehr) |
| Veränderung zum Vorjahr: | Nicht quantifizierbar, da Umstrukturierung bevorsteht |
Hohe Streikbereitschaft bei Lufthansa Cityline-Piloten
Die hohe Beteiligung und die fast einstimmige Zustimmung zur Streikbereitschaft unterstreichen die Entschlossenheit der Piloten, ihre Forderungen durchzusetzen. Die Vereinigung Cockpit (VC) hat bisher keinen konkreten Streiktermin genannt, doch die Ankündigung eines möglichen Arbeitskampfes kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt für die Lufthansa, die bereits mit den Folgen eines Streiks bei der Kerngesellschaft zu kämpfen hatte.
Was sind die Gründe für die Streikbereitschaft?
Die Hauptgründe für die Streikbereitschaft liegen in den stockenden Tarifverhandlungen. Die VC fordert für die Jahre 2024, 2025 und 2026 Vergütungsanpassungen von jeweils 3,3 Prozent jährlich. Das letzte Angebot der Lufthansa, das am Mittwoch vorgelegt wurde, blieb laut VC-Präsident Andreas Pinheiro hinter den Erwartungen zurück und beinhaltete zudem eine Friedenspflicht bis Ende 2027, was die Handlungsfähigkeit der Gewerkschaft stark einschränken würde.
Die Lufthansa Cityline ist eine regionale Zubringerfluggesellschaft, die Flüge für die Lufthansa-Kerngesellschaft durchführt. Sie betreibt etwa 30 Jets und beschäftigt rund 500 Pilotinnen und Piloten. Laut Stern soll der Flugbetrieb der Cityline im kommenden Jahr auslaufen und ihre Verbindungen auf die neue Unternehmenstochter Lufthansa City Airlines übergehen. Die VC betont jedoch, dass dieser Umstand keinen Einfluss auf die laufenden Tarifverhandlungen habe. (Lesen Sie auch: Nahverkehr Streik: Was Reisende Jetzt Wissen Müssen)
Die Lufthansa Group beschäftigt weltweit über 100.000 Mitarbeiter und betreibt eine Flotte von mehr als 700 Flugzeugen. Im Jahr 2023 beförderte die Lufthansa Group rund 120 Millionen Passagiere.
Tarifkonflikt bei der Muttergesellschaft spitzt sich ebenfalls zu
Auch bei der Muttergesellschaft Lufthansa gibt es einen Tarifkonflikt, der sich um die Betriebsrenten der rund 4800 Cockpitkräfte dreht. Vor zwei Wochen legten die Piloten der Lufthansa-Kerngesellschaft für einen Tag die Arbeit nieder, wodurch mehr als 800 Flüge mit rund 100.000 Passagieren ausfielen. Es ist zu erwarten, dass es nun zu abgestimmten Aktionen in beiden Flugbetrieben kommen wird, da eine gemeinsame Tarifkommission über die Angelegenheiten entscheidet.
Welche Rolle spielen die Betriebsrenten im Tarifstreit?
Die Betriebsrenten sind ein zentraler Streitpunkt im Tarifkonflikt bei der Lufthansa-Kerngesellschaft. Die Gewerkschaft fordert den Erhalt der bisherigen Regelungen, während die Lufthansa kostenneutrale Reformen des Betriebsrentensystems vorschlägt. Die Lufthansa argumentiert, dass die bestehenden Regelungen langfristig nicht tragfähig seien und Anpassungen erforderlich seien, um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern.
Die Lufthansa hatte nach dem Streik bei der Kerngesellschaft vorgeschlagen, mithilfe eines externen Moderators über die grundsätzliche Organisation des Flugbetriebs zu sprechen. Daran hängen auch die Karrierechancen der einzelnen Piloten. Auch mit der Kabinengewerkschaft Ufo laufen Gespräche zu verschiedenen Themen. (Lesen Sie auch: Handwerk Konjunktur: Jobabbau trotz Leichtem Umsatzplus?)
Lufthansa schlägt externen Moderator vor
Um die festgefahrenen Tarifverhandlungen wieder in Gang zu bringen, hat die Lufthansa die Einsetzung eines externen Moderators vorgeschlagen. Dieser soll helfen, eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden. Die VC hat sich bisher noch nicht abschließend zu diesem Vorschlag geäußert. Ein ähnliches Vorgehen hatte in der Vergangenheit bereits bei anderen Tarifkonflikten in der Luftfahrtbranche Erfolg.
„Die Situation ist komplex, da neben den Vergütungsanpassungen auch die Zukunft der Lufthansa Cityline und die damit verbundenen Arbeitsplätze eine Rolle spielen“, erklärt Luftfahrtökonom Professor Dr. Heinrich Weber von der Universität Köln. „Ein externer Moderator könnte helfen, die unterschiedlichen Interessen auszugleichen und eine langfristige Lösung zu finden.“
Was bedeutet der Lufthansa Cityline Streik für Verbraucher und Arbeitnehmer?
Ein Streik bei der Lufthansa Cityline hätte erhebliche Auswirkungen auf Verbraucher und Arbeitnehmer. Für Reisende bedeutet dies Flugausfälle, Verspätungen und Umbuchungen. Besonders betroffen wären Passagiere, die auf regionale Zubringerflüge angewiesen sind, um ihren Anschlussflug zu erreichen. Arbeitnehmer der Lufthansa Cityline müssten mit Einkommensverlusten rechnen, während die Lufthansa selbst finanzielle Einbußen durch den Streik hinnehmen müsste.
Die Auswirkungen eines Streiks würden sich nicht nur auf die Lufthansa Cityline beschränken, sondern auch die gesamte Lufthansa-Gruppe und den deutschen Luftverkehr beeinträchtigen. Es ist daher im Interesse aller Beteiligten, eine schnelle und einvernehmliche Lösung zu finden. (Lesen Sie auch: Industriepolitik Kritik: Reiche warnt vor EU-Bürokratie)
Die Vereinigung Cockpit (VC) ist die größte Pilotengewerkschaft in Deutschland. Sie vertritt die Interessen von rund 9.600 Piloten und Flugingenieuren. Die VC setzt sich für faire Arbeitsbedingungen, angemessene Vergütung und die Sicherung der Arbeitsplätze ihrer Mitglieder ein.

Historischer Vergleich: Streiks in der Luftfahrtbranche
Streiks in der Luftfahrtbranche sind keine Seltenheit. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Arbeitskämpfen bei verschiedenen Fluggesellschaften, die oft weitreichende Folgen hatten. Ein Beispiel ist der Streik der Flugbegleiter bei der Germanwings im Jahr 2015, der zu Hunderten von Flugausfällen und erheblichen Beeinträchtigungen für die Passagiere führte. Auch bei der Air France gab es in der Vergangenheit wiederholt Streiks, die zu massiven Flugausfällen führten.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Streiks in der Luftfahrtbranche oft langwierig und kostspielig sind. Es ist daher wichtig, dass die Tarifparteien alles daran setzen, eine Eskalation zu vermeiden und eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden. Die Statistiken des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass Streiks in der Luftfahrtbranche überdurchschnittlich hohe wirtschaftliche Schäden verursachen.
Wie geht es weiter im Tarifkonflikt?
Die nächsten Schritte im Tarifkonflikt sind noch unklar. Die VC hat bisher keinen konkreten Streiktermin genannt, will aber offenbar den Druck auf die Lufthansa erhöhen. Die Lufthansa hat ihrerseits die Einsetzung eines externen Moderators vorgeschlagen und signalisiert Gesprächsbereitschaft. Es bleibt abzuwarten, ob die Tarifparteien in den kommenden Tagen und Wochen zu einer Einigung gelangen können. Andernfalls droht ein Arbeitskampf, der erhebliche Auswirkungen auf den Flugbetrieb der Lufthansa-Gruppe haben könnte. (Lesen Sie auch: Abgeordnetenrechte Heizungsgesetz: Karlsruhe prüft das Tempo)
Das Handelsblatt berichtet, dass die Lufthansa versucht, die Verhandlungen zu beschleunigen, um einen Imageschaden abzuwenden.
Die Situation ist angespannt, und es bleibt zu hoffen, dass die Tarifparteien im Sinne der Passagiere und der Beschäftigten eine konstruktive Lösung finden werden.
Der mögliche Lufthansa Cityline Streik verdeutlicht die Herausforderungen, vor denen die Luftfahrtbranche steht, insbesondere im Hinblick auf Arbeitsbedingungen und Vergütung. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob eine Einigung erzielt werden kann oder ob es zu weiteren Beeinträchtigungen im Flugverkehr kommen wird.




