Seit dem 25. Februar 2026 blickt die Filmwelt gespannt auf die Berlinale, die unter der neuen Leitung von Tricia Tuttle steht. Die US-amerikanische Festival-Expertin hat im April 2024 das Ruder der Internationalen Filmfestspiele Berlin übernommen und steht vor der Aufgabe, das renommierte Festival in eine neue Ära zu führen. Doch wer ist die Frau, die nun eines der wichtigsten Filmfestivals der Welt leitet?
Tricia Tuttle ist die neue Intendantin der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Die 1970 in North Carolina, USA, geborene Kulturmanagerin bringt über 25 Jahre Erfahrung in der Film- und Festivalbranche mit und war zuvor unter anderem Direktorin des BFI London Film Festival.
Das Wichtigste in Kürze
- Neue Leitung: Tricia Tuttle ist seit April 2024 die alleinige Intendantin der Berlinale und trat die Nachfolge der Doppelspitze Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian an.
- Umfangreiche Erfahrung: Sie verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Film- und Festivalbranche, unter anderem bei der BAFTA und dem British Film Institute (BFI).
- Erfolge in London: Als Direktorin des BFI London Film Festival (LFF) steigerte sie die Zuschauerzahlen signifikant, baute digitale Angebote aus und erweiterte das Programm um Sektionen für Serien und immersive Formate.
- Herkunft und Ausbildung: Tuttle stammt aus North Carolina, USA, und hat einen Master in Filmwissenschaft vom BFI und der Birkbeck, University of London.
- Vision für die Berlinale: Sie plant eine Evolution statt einer Revolution und möchte das Festival für ein jüngeres Publikum attraktiver machen sowie seine internationale Bedeutung weiter stärken.
- Aktuelle Herausforderungen: Ihre Amtszeit ist geprägt von Debatten um politische Meinungsäußerungen, insbesondere im Kontext des Nahostkonflikts, was zu intensiven Diskussionen und auch Kritik führte.
- Auszeichnungen: 2025 wurde Tuttle für ihre Verdienste um den Film zum Member of the Order of the British Empire (MBE) ernannt.
Werdegang und Karriere: Von North Carolina nach Berlin
Tricia Tuttles Weg in die Spitze der internationalen Filmfestivalszene begann in den USA. Geboren 1970 in North Carolina, spielte sie zunächst als Gitarristin in der Indie-Rockband „June“. Ihr akademischer Weg führte sie jedoch bald zum Film. Sie absolvierte ein Bachelor-Studium in Literatur, Radio, Fernsehen und Film an der University of North Carolina at Chapel Hill. 1997 zog sie nach London, wo sie ein Master-Studium in Filmwissenschaft am renommierten British Film Institute (BFI) in Kooperation mit der Birkbeck, University of London, abschloss.
Stationen einer beeindruckenden Laufbahn
Vor ihrer Berufung nach Berlin hatte Tricia Tuttle bereits Schlüsselpositionen in wichtigen britischen Kulturinstitutionen inne. Sie arbeitete fünf Jahre lang als Senior Managerin bei der British Academy of Film and Television Arts (BAFTA), bevor sie 2013 zum BFI wechselte. Dort stieg sie von der stellvertretenden Festivalleiterin zur Direktorin auf und verantwortete von 2018 bis 2022 das BFI London Film Festival (LFF) sowie das BFI Flare: London LGBTQIA+ Film Festival.
Ihre Zeit in London war von bemerkenswerten Erfolgen geprägt. Unter ihrer Führung modernisierte sie das Festival, indem sie neue Sektionen für Fernsehserien und immersive XR-Filmkunst einführte. Zudem baute sie die digitalen Zugänge massiv aus und initiierte landesweite Vorführungen, was zu einer Steigerung der Reichweite um über 50 Prozent führte. Diese Erfolge und ihre Fähigkeit, ein Festival sowohl künstlerisch als auch wirtschaftlich zukunftsfähig aufzustellen, überzeugten die Findungskommission der Berlinale.
Visionen für die Berlinale: Evolution statt Revolution
In Interviews betonte Tricia Tuttle, dass sie für die Berlinale eine „Evolution, keine Revolution“ anstrebe. Eines ihrer zentralen Anliegen ist es, das Festival für ein jüngeres Publikum zu öffnen und neue Zielgruppen zu erschließen. Dafür setzt sie unter anderem auf eine stärkere Präsenz in sozialen Medien wie TikTok. Gleichzeitig will sie die internationale Strahlkraft der Berlinale weiter ausbauen und ihre Position als eines der drei großen A-Festivals neben Cannes und Venedig festigen.
Sie sieht die Berlinale als einen wichtigen Ort des Dialogs und der Zusammenkunft, der Menschen aus aller Welt zusammenbringt, um durch Film neue Perspektiven auf die Welt zu eröffnen. Tuttle schätzt insbesondere die dezentrale Kinokultur Berlins und sieht darin eine einzigartige Stärke des Festivals. Ihre Programmgestaltung zielt darauf ab, Werke mit hohem künstlerischen Anspruch zu fördern, die zu wiederholtem Sehen und tiefgehenden Diskussionen über globale Themen anregen. Die offizielle Webseite der Berlinale bietet detaillierte Informationen zum aktuellen Programm.
Herausforderungen und Kontroversen um Tricia Tuttle
Der Start von Tricia Tuttle bei der Berlinale fiel in eine politisch aufgeheizte Zeit. Insbesondere der Krieg in Gaza und die damit verbundenen Debatten prägten ihre erste Amtszeit. Bereits vor und während der 75. Berlinale 2025 gab es Sorgen, dass die Wahrnehmung einer zu strengen deutschen Haltung bei der Debatte um den Nahostkonflikt Künstler davon abhalten könnte, am Festival teilzunehmen. Tuttle selbst räumte ein, dass sie eine „Lernkurve“ bezüglich der deutschen Erinnerungskultur habe.
Die Abschlussgala der Berlinale 2026 wurde von politischen Statements überschattet, die im Nachgang für scharfe Kritik von Politikern und in den Medien sorgten. Tuttle wurde vorgeworfen, auf als einseitig empfundene Äußerungen nicht entschieden genug reagiert zu haben. Sie verteidigte das Festival jedoch als einen Ort, an dem Kontroversen ausgehalten werden müssten und Emotionen zeigten, dass das Festival „seine Arbeit mache“. In späteren Statements betonte sie die Notwendigkeit der Deeskalation und des Dialogs, um einen sicheren Raum für israelische und palästinensische Filmschaffende zu gewährleisten. Die Komplexität solcher Debatten stellt eine erhebliche Herausforderung für die Festivalleitung dar, die es zu bewältigen gilt, ohne die künstlerische Freiheit einzuschränken. Die Diskussionen erinnern an die Debatte um das neue Heizungsgesetz, bei dem ebenfalls unterschiedliche Interessen aufeinanderprallten.
Tricia Tuttle privat
Tricia Tuttle lebt abwechselnd in London und Berlin. Sie ist mit Briony Hanson, der Leiterin der Filmabteilung des British Council, liiert. Das Paar hat Zwillinge, die um 2008 geboren wurden. 2019 wurden Hanson und Tuttle von der britischen Zeitung „The Independent“ auf Platz eins der „Pride Power Couples“-Liste gewählt. Um sich in ihrer neuen Heimat besser zurechtzufinden, hat Tuttle angekündigt, Deutsch zu lernen und erkundet Berlin gerne mit dem Fahrrad.
| Jahr | Ereignis/Position | Institution |
|---|---|---|
| 1970 | Geburt | North Carolina, USA |
| 1997 | Umzug nach London | – |
| bis 2013 | Senior Manager | BAFTA |
| 2013-2018 | Deputy Head of Festivals | British Film Institute (BFI) |
| 2018-2022 | Director of BFI Festivals | British Film Institute (BFI) |
| 2023 | Head of Directing Fiction | National Film and Television School (NFTS) |
| seit April 2024 | Intendantin | Internationale Filmfestspiele Berlin (Berlinale) |
| 2025 | Ernennung zum Member of the Order of the British Empire (MBE) | Vereinigtes Königreich |
FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Tricia Tuttle
Wer ist Tricia Tuttle?
Tricia Tuttle ist eine US-amerikanische Filmfestivaldirektorin und seit April 2024 die Intendantin der Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale). Zuvor war sie unter anderem Direktorin des BFI London Film Festival.
Seit wann leitet Tricia Tuttle die Berlinale?
Tricia Tuttle hat die Leitung der Berlinale am 1. April 2024 offiziell übernommen.
Was hat Tricia Tuttle vor der Berlinale gemacht?
Vor ihrer Tätigkeit bei der Berlinale war Tricia Tuttle Direktorin des BFI London Film Festival und des BFI Flare: London LGBTQIA+ Film Festival. Sie hatte zudem leitende Positionen bei der BAFTA und der National Film and Television School (NFTS) inne.
Welche Nationalität hat Tricia Tuttle?
Tricia Tuttle ist US-Amerikanerin. Sie wurde in North Carolina geboren, lebt aber seit 1997 überwiegend im Vereinigten Königreich und pendelt nun zwischen London und Berlin.
Was sind Tricia Tuttles Ziele für die Berlinale?
Ihre Hauptziele sind, das Festival für ein jüngeres Publikum zu öffnen, die digitalen Angebote zu stärken und die internationale Bedeutung der Berlinale weiter auszubauen. Sie plant eine schrittweise Weiterentwicklung statt radikaler Änderungen. Ähnliche Herausforderungen bei der Modernisierung von Institutionen zeigen sich auch bei Themen wie der Telekom Regulierung.
Fazit: Eine erfahrene Managerin für neue Herausforderungen
Mit Tricia Tuttle hat die Berlinale eine international anerkannte und erfahrene Festivalmanagerin gewonnen, die bewiesen hat, dass sie eine Großveranstaltung modernisieren und für neue Publikumsschichten öffnen kann. Ihre Vision einer Evolution, die das politische und künstlerische Erbe des Festivals ehrt und gleichzeitig neue Wege geht, verspricht eine spannende Zukunft. Die Herausforderungen, insbesondere im Umgang mit politisch aufgeladenen Debatten, sind jedoch immens. Wie es Tricia Tuttle gelingen wird, die Berlinale durch diese komplexen Gewässer zu steuern und ihre künstlerische wie gesellschaftliche Relevanz zu behaupten, wird die Filmwelt in den kommenden Jahren genau beobachten. Weitere Informationen zu ihrer Ernennung finden sich auch auf der Seite der Bundesregierung für Kultur und Medien.