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Risikokapital Gründerinnen: Ungleichheit in Deutschland wächst

Im Jahr 2025 flossen in Deutschland lediglich ein Prozent des gesamten Risikokapitals an Start-ups, die ausschließlich von Frauen gegründet wurden. Dies steht in krassem Gegensatz zu den 94 Prozent, die an rein männliche Teams gingen, und verdeutlicht die anhaltende Ungleichheit bei der Vergabe von Risikokapital an Gründerinnen. Risikokapital Gründerinnen steht dabei im Mittelpunkt.

Symbolbild: Risikokapital Gründerinnen (Bild: Picsum)

Kernpunkte

  • Rein männliche Gründerteams erhielten 2025 94% des Risikokapitals.
  • Rein weibliche Gründerteams erhielten lediglich 1% des Risikokapitals.
  • Der Anteil der Start-ups mit mindestens einer Gründerin sank von 21% (2024) auf 19% (2025).
  • Branchenverteilung und Deal-Größen benachteiligen Gründerinnen.
Unternehmen: EY-Parthenon
Branche: Strategieberatung
Fokus: Start-up-Finanzierungen
Betrachtungszeitraum: 2024-2025

Ungleichgewicht bei der Risikokapitalvergabe

Eine aktuelle Studie von EY-Parthenon, dem Geschäftsbereich Strategieberatung der Prüfungsgesellschaft EY, zeigt, dass Gründerinnen in Deutschland weiterhin deutlich weniger Risikokapital erhalten als ihre männlichen Kollegen. Wie Stern berichtet, hat sich trotz eines allgemeinen Aufschwungs bei Start-up-Finanzierungen im Jahr 2025 die Situation für Gründerinnen sogar noch verschärft.

Die Studie analysierte 660 Start-ups, die im Jahr 2025 frisches Kapital einsammeln konnten. Davon bestanden 536 (81 Prozent) ausschließlich aus Männern, während nur 21 Start-ups (3 Prozent) von rein weiblichen Teams geführt wurden. Der Anteil der finanzierten Start-ups mit mindestens einer Frau im Gründerteam sank von 21 Prozent im Jahr 2024 auf nur noch 19 Prozent im Jahr 2025.

„Die Zahlen sind alarmierend und zeigen, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben, um Geschlechtergerechtigkeit in der Start-up-Szene zu erreichen“, sagt Dr. Anna Schneider, Wirtschaftsexpertin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). „Es ist nicht nur eine Frage der Fairness, sondern auch der wirtschaftlichen Vernunft. Wir verpassen Innovationspotenziale, wenn wir Gründerinnen nicht die gleichen Chancen geben wie ihren männlichen Kollegen.“

Milliarden für Männer, Millionen für Frauen

Die Diskrepanz zwischen den Finanzierungsbeträgen ist enorm. Im Jahr 2025 flossen fast 7,4 Milliarden Euro an rein männliche Gründerteams, was einem Plus von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Im Gegensatz dazu erhielten die von Frauen gegründeten Jungunternehmen lediglich 53 Millionen Euro. Dies verdeutlicht ein massives Ungleichgewicht bei der Verteilung von Risikokapital. (Lesen Sie auch: Deutsche Bahn Verlust: 2,3 Milliarden Euro Miese…)

Diese Zahlen spiegeln nicht nur eine Ungleichheit wider, sondern auch eine verpasste Chance. Studien haben gezeigt, dass von Frauen geführte Unternehmen oft eine höhere Kapitalrendite erzielen und effizienter arbeiten. Die mangelnde Finanzierung von Gründerinnen könnte somit die Innovationskraft und das Wirtschaftswachstum Deutschlands beeinträchtigen.

📊 Zahlen & Fakten

Im Jahr 2025 betrug das durchschnittliche Investment in ein von Männern geführtes Start-up 13,8 Millionen Euro, während ein von Frauen geführtes Start-up durchschnittlich nur 2,5 Millionen Euro erhielt.

Ein historischer Vergleich zeigt, dass sich die Situation in den letzten Jahren kaum verbessert hat. Bereits 2018 kritisierte eine Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie die ungleiche Verteilung von Risikokapital. Trotz verschiedener Initiativen und Förderprogramme hat sich an der grundlegenden Problematik wenig geändert.

Lesen Sie auch: Wie sich die Inflation auf Start-ups auswirkt

Warum erhalten Gründerinnen weniger Risikokapital?

Ein wesentlicher Treiber für diesen massiven „Gender-Investment-Gap“ ist die Branchenverteilung. Gründerinnen sind überdurchschnittlich oft in Sektoren wie E-Commerce (21 Prozent Frauenanteil), Bildung (17 Prozent) und Klima-Tech (15 Prozent) vertreten. Diese Bereiche ziehen zwar Kapital an, erreichen aber selten die Größenordnungen der großen Mega-Deals. Kapitalintensive Branchen wie Software & Analytics, FinTech oder Verteidigung, in die aktuell die größten Summen fließen, bleiben mit Frauenanteilen von teils nur sechs Prozent stark männlich dominiert. Dies spiegelt sich direkt in den Deal-Größen wider: Bei kleineren Finanzierungsrunden bis zu einer Million Euro liegt der Anteil an Gründerinnen noch bei 13,3 Prozent. Bei großen Deals sinkt dieser Anteil jedoch drastisch. (Lesen Sie auch: Mietpreise Berlin: Schweizerin Erlebt Böse Überraschung)

Die Branchenpräferenz der Risikokapitalgeber spielt eine entscheidende Rolle. Investoren konzentrieren sich oft auf Branchen, in denen sie bereits Expertise haben und ein hohes Wachstumspotenzial sehen. Da Frauen in einigen dieser Branchen unterrepräsentiert sind, erhalten sie seltener die notwendige Aufmerksamkeit und Finanzierung.

Welche Rolle spielen unbewusste Vorurteile bei der Vergabe von Risikokapital?

Unbewusste Vorurteile (sogenannte „Unconscious Bias“) spielen eine erhebliche Rolle bei der Benachteiligung von Gründerinnen. Investoren neigen dazu, in Personen zu investieren, die ihnen ähnlich sind. Da die Risikokapitalbranche traditionell von Männern dominiert wird, profitieren männliche Gründer oft von diesem Netzwerk-Effekt. Studien haben gezeigt, dass Investoren männliche Gründer oft als kompetenter und risikobereiter wahrnehmen, während Frauen eher als vorsichtig und risikoavers eingeschätzt werden.

Diese Vorurteile können sich auf verschiedene Weise manifestieren. Zum Beispiel werden Frauen in Pitch-Präsentationen oft kritischer beurteilt als Männer. Ihre Geschäftsideen werden weniger ernst genommen, und sie erhalten weniger Zeit, ihre Konzepte zu erläutern. Auch die Fragen, die ihnen gestellt werden, sind oft anders und konzentrieren sich stärker auf Risiken und potenzielle Probleme als auf Chancen und Wachstumspotenziale.

Lesen Sie auch: Der Einfluss von Diversität auf Unternehmenserfolg

Internationale Vergleiche: Wo steht Deutschland?

Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland bei der Förderung von Gründerinnen eher mittelmäßig ab. Länder wie die USA, Kanada und Großbritannien haben in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gemacht, um die Finanzierung von Frauenunternehmen zu verbessern. Diese Länder haben spezielle Förderprogramme, Mentoring-Initiativen und Netzwerke geschaffen, um Gründerinnen zu unterstützen und den Zugang zu Risikokapital zu erleichtern. (Lesen Sie auch: Tarifstreit: Lufthansa fliegt nach Streik wieder planmäßig)

Symbolbild: Risikokapital Gründerinnen (Bild: Picsum)

In den USA beispielsweise gibt es eine Vielzahl von Venture-Capital-Fonds, die sich ausschließlich auf Investitionen in von Frauen geführte Unternehmen konzentrieren. Diese Fonds spielen eine wichtige Rolle bei der Schließung des Gender-Investment-Gaps und tragen dazu bei, dass mehr Frauen die Möglichkeit haben, ihre Geschäftsideen zu verwirklichen.

Ein Blick nach Skandinavien zeigt, dass auch dort große Anstrengungen unternommen werden, um die Gleichstellung in der Wirtschaft zu fördern. Länder wie Schweden und Norwegen haben eine lange Tradition der Geschlechtergerechtigkeit und setzen sich aktiv dafür ein, dass Frauen die gleichen Chancen haben wie Männer. Dies spiegelt sich auch in der Start-up-Szene wider, wo Gründerinnen überdurchschnittlich oft erfolgreich sind.

📌 Hintergrund

Eine Studie der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2024 zeigt, dass nur 15 Prozent der europäischen Start-ups von Frauen gegründet werden. Der durchschnittliche Finanzierungsbetrag für diese Unternehmen liegt deutlich unter dem für von Männern geführte Start-ups.

Lesen Sie auch: Die Rolle von Business Angels bei der Start-up-Finanzierung

Was bedeutet das für die Branche?

Die anhaltende Ungleichheit bei der Vergabe von Risikokapital an Gründerinnen hat weitreichende Folgen für die gesamte Start-up-Szene. Sie führt nicht nur zu einer Verringerung der Innovationskraft und des Wirtschaftswachstums, sondern auch zu einem Verlust an Vielfalt und Kreativität. Wenn Frauen nicht die gleichen Chancen haben wie Männer, werden wertvolle Perspektiven und Ideen übersehen. (Lesen Sie auch: PCK Schwedt öl: BSW fordert Rückkehr aus…)

Darüber hinaus sendet die mangelnde Finanzierung von Gründerinnen ein falsches Signal an junge Frauen, die eine Karriere in der Technologiebranche oder im Unternehmertum anstreben. Sie könnten entmutigt werden, ihre eigenen Unternehmen zu gründen, wenn sie sehen, dass ihre Chancen auf Finanzierung geringer sind als die ihrer männlichen Kollegen.

Um diese negativen Folgen zu vermeiden, ist es wichtig, dass die Risikokapitalbranche ihre Praktiken überdenkt und Maßnahmen ergreift, um die Gleichstellung zu fördern. Dazu gehören die Einführung von Diversitätszielen, die Schulung von Investoren in Bezug auf unbewusste Vorurteile und die Schaffung von Netzwerken und Mentoring-Programmen für Gründerinnen. Auch die Politik kann eine wichtige Rolle spielen, indem sie gezielte Förderprogramme und Anreize schafft, um die Finanzierung von Frauenunternehmen zu unterstützen. Die Bundesregierung hat in den letzten Jahren verschiedene Initiativen gestartet, um die Situation von Gründerinnen zu verbessern.

Fazit

Die EY-Studie zeigt deutlich, dass bei der Vergabe von Risikokapital an Gründerinnen in Deutschland weiterhin ein erhebliches Ungleichgewicht besteht. Um die Innovationskraft und das Wirtschaftswachstum des Landes zu fördern, ist es unerlässlich, dass die Risikokapitalbranche ihre Praktiken überdenkt und Maßnahmen ergreift, um die Gleichstellung zu fördern. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle Gründerinnen die gleichen Chancen haben, ihre Geschäftsideen zu verwirklichen und erfolgreich zu sein.

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