Elsbeth Stern Intelligenzforschung zeigt, dass Intelligenztests kognitive Fähigkeiten messen, während soziale und emotionale Kompetenzen schwerer zu erfassen sind. Obwohl im Durchschnitt keine Geschlechterunterschiede bestehen, gibt es in den Extrembereichen mehr Männer. Die Forderung vieler Eltern nach einer gymnasialen Ausbildung für ihre Kinder wird von Stern kritisch gesehen.
Die Debatte um Intelligenz ist vielschichtig und komplex. Während der Begriff im allgemeinen Sprachgebrauch oft diffus verwendet wird, versucht die Wissenschaft, ihn präziser zu definieren und zu messen. Elsbeth Stern, Professorin für Lehr- und Lernforschung an der ETH Zürich, hat sich intensiv mit der Erforschung von Intelligenz auseinandergesetzt. Ihr Fokus liegt dabei auf der kognitiven Intelligenz, die durch standardisierte Tests messbar gemacht werden kann. Stern betont jedoch, dass Intelligenz mehr ist als nur das, was in diesen Tests erfasst wird.
Kognitive Intelligenz bezieht sich auf die Fähigkeit, logisch zu denken, Probleme zu lösen und sich neues Wissen anzueignen. Diese Fähigkeiten sind in Intelligenztests gut messbar. Im Gegensatz dazu sind soziale und emotionale Kompetenzen schwerer zu erfassen, da es an standardisierten Messinstrumenten mangelt, die die gleiche Qualität wie Intelligenztests aufweisen. Die Wissenschaftlerin erklärt im Stern-Podcast Stern, dass die statistischen Methoden zur Erfassung emotionaler und sozialer Kompetenzen nicht mit denen der kognitiven Fähigkeiten vergleichbar sind.
Ein immer wieder diskutiertes Thema ist die Frage, ob es Geschlechterunterschiede in der Intelligenz gibt. Elsbeth Stern stellt klar, dass es im Mittelwert keine signifikanten Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt. Allerdings zeigen sich Unterschiede in den Extrembereichen der Intelligenzverteilung. „Es gibt mehr Männer in den unteren Bereichen und auch ganz oben gibt es klar mehr Männer. Also unter den Hochbegabten ist die Verteilung nicht mehr 50/50, sondern sie nimmt zunehmend ab. Aber zu betonen ist, dass es auch in den höchsten Bereichen immer noch Frauen gibt“, so Stern. Diese Beobachtung wird durch verschiedene Studien gestützt, die eine größere Variabilität der Intelligenz bei Männern im Vergleich zu Frauen feststellen. Eine Studie von Johnson et al. (2008) zeigte beispielsweise, dass Männer in den oberen und unteren Perzentilen der Intelligenzverteilung stärker vertreten sind als Frauen. Die Ergebnisse sind jedoch umstritten und die Ursachen für diese Unterschiede sind noch nicht vollständig geklärt. (Lesen Sie auch: Börsencrash durch Etfs? Warnung vor Risiko durch…)
Fast 70 Prozent der Menschen weisen eine durchschnittliche Intelligenz auf. Jeweils 15 Prozent liegen über bzw. unter diesem Durchschnitt.
Ein weiterer kritischer Punkt, den Elsbeth Stern anspricht, ist der weit verbreitete Wunsch vieler Eltern, ihr Kind unbedingt auf ein Gymnasium zu schicken. Sie hält es für eine „Perversion“, dass die Hälfte der Schülerinnen und Schüler aufs Gymnasium gehen soll. Ihrer Ansicht nach ist das Gymnasium nicht für jeden die beste Wahl. Es sei wichtig, die individuellen Stärken und Interessen der Kinder zu berücksichtigen und ihnen eine Ausbildung zu ermöglichen, die ihren Bedürfnissen entspricht. Eine rein akademische Ausbildung sei nicht immer der beste Weg zum Erfolg und zur persönlichen Erfüllung. Die Fokussierung auf das Gymnasium führt ihrer Meinung nach dazu, dass andere Bildungswege, wie beispielsweise die duale Ausbildung, abgewertet werden.
Die PISA-Studien der letzten Jahre zeigen, dass Deutschland im internationalen Vergleich zwar gut abschneidet, aber es dennoch Verbesserungspotenzial gibt. Insbesondere die Heterogenität der Schülerschaft stellt eine Herausforderung dar. Nicht alle Schülerinnen und Schüler profitieren gleichermaßen von einer rein akademischen Ausbildung. Eine individualisierte Förderung und eine stärkere Berücksichtigung der praktischen Fähigkeiten könnten dazu beitragen, das Bildungssystem gerechter und effizienter zu gestalten. Wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) betont, ist die Förderung von Chancengleichheit ein zentrales Ziel der Bildungspolitik. Das BMBF setzt sich daher für eine vielfältige Bildungslandschaft ein, die den unterschiedlichen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler gerecht wird.
Intelligenz spielt zweifellos eine Rolle für den Bildungserfolg, aber sie ist nicht der einzige Faktor. Auch Motivation, Fleiß, soziale Kompetenzen und die Unterstützung durch das Elternhaus sind entscheidend. Elsbeth Stern betont, dass es wichtig ist, die Stärken und Schwächen jedes Kindes individuell zu betrachten und eine passende Bildungsstrategie zu entwickeln. Eine einseitige Fokussierung auf die kognitive Intelligenz und die akademische Leistung kann dazu führen, dass andere wichtige Fähigkeiten vernachlässigt werden. Die Förderung von Kreativität, Teamfähigkeit und Problemlösungskompetenz ist ebenso wichtig für die persönliche und berufliche Entwicklung. (Lesen Sie auch: Rente mit 63: Wer Früher geht, Verschenkt…)
Die Bildungsforschung zeigt, dass eine individualisierte Förderung und eine stärkere Berücksichtigung der Interessen der Schülerinnen und Schüler den Lernerfolg verbessern können. Eine Studie von Hattie (2009) hat beispielsweise gezeigt, dass Feedback, klare Lernziele und eine positive Lernatmosphäre einen großen Einfluss auf die schulische Leistung haben. Es ist daher wichtig, dass Schulen und Lehrkräfte eine individualisierte Lernumgebung schaffen, in der jedes Kind seine Potenziale optimal entfalten kann.
Obwohl Elsbeth Stern die Messbarkeit der emotionalen und sozialen Intelligenz kritisch sieht, räumt sie ein, dass diese Kompetenzen für den Erfolg im Leben von großer Bedeutung sind. Menschen mit hoher emotionaler Intelligenz sind in der Lage, ihre eigenen Emotionen und die Emotionen anderer zu erkennen, zu verstehen und zu beeinflussen. Sie können besser mit Stress umgehen, Konflikte lösen und Beziehungen aufbauen. Diese Fähigkeiten sind nicht nur im privaten Bereich, sondern auch im Berufsleben von Vorteil. Führungskräfte mit hoher emotionaler Intelligenz können ihre Mitarbeiter besser motivieren und ein positives Arbeitsklima schaffen. Studien haben gezeigt, dass emotionale Intelligenz ein wichtiger Faktor für den beruflichen Erfolg ist. Wie Daniel Goleman in seinem Buch „Emotionale Intelligenz“ argumentiert, ist die Fähigkeit, Emotionen zu erkennen und zu regulieren, oft wichtiger als der reine IQ.
Fördern Sie die emotionalen und sozialen Kompetenzen Ihres Kindes durch gemeinsames Spielen, Gespräche und die Teilnahme an sozialen Aktivitäten.
Elsbeth Sterns Arbeit zur Intelligenzforschung liefert wichtige Erkenntnisse für die Bildungsdebatte. Ihre Forschung zeigt, dass Intelligenz ein komplexes und vielschichtiges Phänomen ist, das nicht auf eine einzige Dimension reduziert werden kann. Sie plädiert für eine differenzierte Betrachtung der individuellen Stärken und Schwächen jedes Kindes und für eine Bildungsstrategie, die den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht wird. Die Fokussierung auf das Gymnasium als vermeintlich einzig richtige Bildungsform hält sie für kontraproduktiv. Stattdessen sollten die Vielfalt der Bildungswege und die Bedeutung praktischer Fähigkeiten stärker gewürdigt werden. Ihre Erkenntnisse sind ein wichtiger Beitrag zu einer inklusiveren und gerechteren Bildungspolitik. (Lesen Sie auch: DB Cargo Stellenabbau: Gewerkschaft will Arbeitsplätze Retten)
Die Diskussion um Elsbeth Sterns Thesen zur Intelligenz und Bildung zeigt, dass es in der Gesellschaft unterschiedliche Auffassungen über die Bedeutung von Intelligenz und Bildung gibt. Während einige die akademische Leistung als höchsten Wert ansehen, betonen andere die Bedeutung von praktischen Fähigkeiten, sozialer Kompetenz und emotionaler Intelligenz. Es ist wichtig, dass diese unterschiedlichen Perspektiven in der Bildungsdebatte berücksichtigt werden, um eine Bildungslandschaft zu schaffen, die den unterschiedlichen Bedürfnissen und Potenzialen der Schülerinnen und Schüler gerecht wird.
Dieser Artikel basiert auf einer Meldung von: Stern.
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