Weltmeister, Weltfußballer und TV-Experte: Lothar Matthäus wird 65. Die ehemalige Reizfigur „Loddar“ erlebt späten Respekt.
Wer ist Lothar Herbert Matthäus wirklich? Kerniger Sportheld oder stetiger Boulevard-Lieferant? Urfränkischer Herzensmensch oder wortreiche Reizfigur? Fest steht: Lothar Matthäus feiert am 21. März seinen 65. Geburtstag. Rein äußerlich wäre ihm auch ein Alter in den Fünfzigern zuzutrauen. Doch dafür hat „Loddar“ zu viel erlebt. Vier Kinder, fünf Scheidungen, sieben deutsche Meisterschaften und einen Weltmeistertitel. Die turbulente Geschichte des Lothar Matthäus wirkt schwer fassbar. Sie ist angefüllt mit Ehrungen und Spott. Und sie erzählt von einem, der auszog, Liebe und Anerkennung zu finden.
Die einstigen WM-Helden sind wieder in aller Munde. Seit Donnerstag läuft die Doku „Ein Sommer in Italien – WM 1990“ in den Kinos. Ob Andreas Brehmes (1960-2024) finaler Elfmeter, Franz Beckenbauers (1945-2024) einsamer Spaziergang auf dem römischen Rasen oder Gianna Nanninis, 71, eingängiger Refrain „Notti Magiche“: Das italienische Sommermärchen – und darin Lothar Matthäus als einer der Hauptdarsteller – wärmt die deutsche Seele auf magische Art. Es ist der Rückblick auf eine vermeintlich unbeschwerte Zeit. Wer die WM 1990, Deutschlands Titelgewinn und den Menschen Matthäus besser verstehen will, dem sei sein Tor aus der WM-Vorrunde ans Herz gelegt.
Es ist der 10. Juni 1990, ein lauer Sommerabend im Stadion von Mailand. Jugoslawien kommt im Duell mit Deutschland immer besser ins Spiel. Noch in der eigenen Spielhälfte schnappt sich Matthäus deshalb den Ball. Ein kurzer Blick, dann setzt der deutsche Kapitän zum Sprint an. Zwei Gegenspieler prallen ab, ein dritter kommt zu spät. Er zieht weiter, kraftvoll, fast trotzig. Rechts und links laufen sich Jürgen Klinsmann, 61, und Rudi Völler, 65, frei, doch Matthäus macht es allein. Er schießt aus der Distanz – der Ball schlägt zum vorentscheidenden 3:1 ein. Sein Weltklasse-Solo macht ihn endgültig zum Weltstar. Es ist eines jener Tore, die mehr erzählen. Es zeigt den Menschen Matthäus in Reinform: Durchsetzungskraft, Dynamik, Selbstvertrauen. Und diesen fast sturen Glauben daran, dass sich das Schicksal durch einen starken Willen biegen lässt. Vier Wochen später stemmt Matthäus den WM-Pokal in die römische Nacht.
Der Weg nach Rom beginnt weit weg vom Rampenlicht: in Herzogenaurach. Die fränkische Kleinstadt ist als Sitz zweier Sportartikel-Hersteller bekannt. Matthäus Senior ist Hausmeister bei einem der beiden. Lothar verbringt wenig Zeit mit seinen Eltern. „Sie haben ein riesengroßes Herz, aber als Kind haben sie mir nicht die Liebe gezeigt, die ich erwartet hätte“, bekennt er 2019 in dem Buch „Heimat – Wo das Herz zu Hause ist.“ Umso häufiger steht er auf dem Fußballplatz. Bereits mit 17 kickt er für die Männer des 1. FC Herzogenaurach. Mit 1,74 Metern ist Matthäus nie der Längste auf dem Platz. Aber er ist der, der am längsten läuft, den Ball fordert und nicht akzeptiert, wenn andere stärker oder talentierter erscheinen. Sein Talent, sein Fleiß und die guten Kontakte seines Vaters machen schließlich das Unmögliche wahr: Matthäus wechselt 1979 mit 18 Jahren aus der bayerischen Landesliga zum Bundesligist Borussia Mönchengladbach.
In den 80ern gibt es kaum einen kompletteren Mittelfeldspieler in Europa. Matthäus kann antreiben, verteidigen, Tore schießen. Vor allem aber kann er Spiele prägen. 1984 wechselt er zu Bayern München, 1988 zu Inter Mailand. 1990 holt er sich mit Deutschland und unter seinem väterlichen Freund Franz Beckenbauer den WM-Titel. Im selben Jahr wird er zu Europas Fußballer des Jahres und 1991 zum bis heute einzigen deutschen Weltfußballer gewählt. Nur die Champions League gewinnt Matthäus nie. In den 1990ern verletzt er sich zwei Mal schwer, verpasst die EM 1992 und den EM-Titel 1996. Dafür holt er unter anderem sieben deutsche und eine italienische Meisterschaft. 2000 endet seine DFB-Karriere mit der Rekordzahl von 150 Länderspielen. Für Ex-Bundestrainer Hansi Flick, 61, – und viele andere – ist er „der Beste, mit dem ich je zusammengespielt habe.“
Matthäus‘ überragende Erfolge stehen im krassen Missverhältnis zur Kritik und dem Spott, die sich im Lauf der Jahrzehnte über ihn ergießt. Woher kommt das? Matthäus‘ Privatleben nimmt in den frühen 90ern so richtig Fahrt auf. Auf die elfjährige Ehe mit seiner Frau Sylvia folgen vier weitere, schlagzeilenträchtige Ehen und Scheidungen: mit der ehemaligen Miss Schweiz Lolita Morena, 65, aka „Lolidda“, der serbischen Unternehmerin Marijana Colic, 54, dem ukrainisch-deutschen Model Liliana Tschudinowa, 38, und der Russin Anastasia Klimko, 38. Auch sein Karriere-Abschluss beim US-Proficlub „MetroStars“ in New York gerät zum Spott-Event. Es geht um Matthäus‘ anfangs ausbaufähige Englisch-Kenntnisse. Bei seinem Antritt in New York im Jahr 2000 blickt er auf die kommende Saison mit den Worten: „I hope we have a little bit lucky“ – ein gefundenes Fressen für die, denen er schon immer überheblich und übertrieben weltmännisch erschien.
Kurz nach dem Karriereende kann sich Matthäus noch vorstellen, dem Fußball „als Trainer, als Manager, als Berater“ erhalten zu bleiben. Doch die Trainerstationen bei Rapid Wien, Partizan Belgrad, Atletico Paranaense oder Maccabi Netanja gleichen eher Kurzaufenthalten. Sogar bei der E-Jugend des TSV Grünwald, wo sein Sohn spielt, schmeißt er schnell hin, weil er keine Lust auf ständig nörgelnde Spielereltern am Telefon hat. Namhafte Vereine nehmen von seiner Verpflichtung Abstand. Zu präsent ist seine vermeintlich führende Rolle beim so genannten „FC Hollywood“, dem FC Bayern der 90er Jahre. Matthäus gilt als extrovertierter Freund der Boulevardmedien. Auch mit den Bayern verscherzt er es sich, was Uli Hoeneß, 74, 2002 zur Aussage hinreißt, Matthäus werde „nicht mal Greenkeeper im neuen Stadion.“ So erfolgreich Matthäus auf dem Platz war, so unvollendet scheint lange seine Karriere außerhalb.
In den zurückliegenden 15 Jahren hat Lothar Matthäus seinen Platz im Fußball jedoch wieder gefunden. Seit 2012 arbeitet er als angesehener TV-Experte für Sky, später dann auch für RTL. So dynamisch und wortreich wie als Spieler ist er auch am Mikrofon. Matthäus kritisiert, fordert und legt sich gelegentlich mit seinem Dauer-Rivalen Uli Hoeneß an, der sich längst für seinen „Greenkeeper“-Spruch entschuldigt hat. Er hat hohe Ansprüche an die Teams und Spieler, über die er spricht. Dieselben Ansprüche, die er immer an sich anlegte. Matthäus meint es nur gut, will nur das Beste und den maximalen Erfolg für alle. Das wurde lange missverstanden. 2018 absolviert er noch eine Partie für den 1. FC Herzogenaurach, sein letztes offizielles Spiel überhaupt. „Er hat eine enorme Entwicklung gemacht, es ist ruhig geworden“, stellt Reporter-Legende Marcel Reif, 76, lobend fest. Geblieben ist Matthäus‘ optimistischer Blick auf das Leben. „We look infront, no behind“ rief er schon 2000 in „Loddar“-Englisch amerikanischen Journalisten zu. Alles Gute, Lothar Matthäus!
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