Deutschland

Tresor-Einbruch Gelsenkirchen: 30 Millionen Euro Beute aus Sparkasse

📖 Lesezeit: 6 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 30. Dezember 2025

Filmreifer Einbruch in Gelsenkirchen-Buer: Was wir wissen

Ein spektakulärer Tresor-Einbruch in Gelsenkirchen sorgt bundesweit für Schlagzeilen. Unbekannte Täter bohrten über die Weihnachtsfeiertage ein kreisrundes Loch in den Tresorraum der Sparkasse im Stadtteil Buer und plünderten nach ersten Schätzungen rund 3.200 Schließfächer. Ermittler beziffern die Beute auf etwa 30 Millionen Euro – einer der größten Coups in der bundesdeutschen Kriminalgeschichte.

Der Einbruch wurde am Montag, 29. Dezember 2025, um 3:58 Uhr durch einen Brandmeldealarm entdeckt. Als Feuerwehr und Polizei das Gebäude an der Nienhofstraße nach einem möglichen Feuer durchsuchten, stießen sie im Keller auf die Einbruchsspuren. Die Täter waren zu diesem Zeitpunkt bereits geflohen – mit ihrer millionenschweren Beute.

So gingen die Täter vor

Die Vorgehensweise der Einbrecher zeugt von professioneller Planung und schwerem Gerät. Die Polizei rekonstruierte den Tathergang wie folgt:

SchrittVorgehenDetails
1. ZugangÜber ParkhausEinstieg über Parkhaus an der De-La-Chevallerie-Straße
2. DurchbruchArchivraum erreichtWeg durch mehrere Türen in einen Archivraum der Bank
3. BohrenSpezialbohrerKreisrundes Loch durch Stahlbetonwand zum Tresorraum
4. Plünderung3.200 SchließfächerSystematisches Aufbrechen und Durchsuchen
5. FluchtÜber ParkhausFluchtfahrzeug: schwarzer Audi RS 6 mit gestohlenen Kennzeichen

Ein Polizeisprecher betonte: Der verwendete Spezialbohrer sei nicht im Baumarkt erhältlich. Die Täter nutzten beim Bohren Wasser, um Hitze und Staub zu reduzieren. Vermutlich löste dennoch Bohrstaub den Brandmelder aus, der schließlich zur Entdeckung führte.

Erste Hinweise: Täter arbeiteten tagelang

Die Ermittlungen deuten darauf hin, dass die Einbrecher sich mehrere Tage Zeit ließen. Bereits am 27. Dezember 2025 – zwei Tage vor der Entdeckung – gab es einen rätselhaften Brandmeldealarm in der Sparkasse. Polizei und Feuerwehr rückten damals an, fanden jedoch nichts Verdächtiges. Die Ermittler prüfen nun, ob die Täter zu diesem Zeitpunkt bereits am Werk waren.

Zeugen meldeten sich bei der Polizei und berichteten von mehreren Männern mit großen Taschen im benachbarten Parkhaus – bereits in der Nacht von Samstag auf Sonntag (28./29. Dezember). Eine Anwohnerin gab an, in der Nacht zwei Detonationen gehört zu haben.

Überwachungsbilder ausgewertet

Die Ermittler werteten Überwachungsaufnahmen aus dem Parkhaus aus. Die Bilder zeigen einen schwarzen Audi RS 6 mit maskierten Insassen, der am Montagmorgen das Parkhaus verließ. Das Kennzeichen war gestohlen – aus Hannover. Eine „heiße Spur“ zu den Tätern gibt es bislang nicht.

Schaden und Versicherung: Was Betroffene wissen müssen

Die Sparkasse Gelsenkirchen steht vor einer gewaltigen Herausforderung. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen sind mehr als 2.500 Kunden von dem Einbruch betroffen.

KennzahlWert
Aufgebrochene Schließfächerca. 3.200
Betroffene Kundenüber 2.500
Geschätzte Beuteca. 30 Millionen Euro
Versicherung pro Fach (Standard)10.300 Euro
Höhere VersicherungIndividuell möglich

Die Sparkasse erklärte, dass jedes Schließfach grundsätzlich mit 10.300 Euro versichert sei. Kunden hatten jedoch die Möglichkeit, über die Bank oder individuell eine höhere Versicherungssumme abzuschließen. Da Banken den Inhalt der Schließfächer nicht kennen, müssen Betroffene selbst dokumentieren, was gestohlen wurde.

Tumulte vor der Sparkasse: Kunden fordern Antworten

Die Nachricht vom Einbruch verbreitete sich schnell. Bereits am Montag versammelten sich rund 200 besorgte Kunden vor der Sparkassenfiliale in Buer. Viele wollten wissen, ob ihr Schließfach betroffen ist. Die Stimmung war aufgeheizt, bei einigen Betroffenen flossen Tränen.

Am Dienstag, 30. Dezember, eskalierte die Situation zeitweise. Mit Sprechchören wie „Wir wollen rein, wir wollen rein!“ forderten Wartende Zugang zum Gebäude. Mehrere Menschen drängten an Sicherheitsmitarbeitern vorbei in den Vorraum der Sparkasse. Die Polizei rückte mit mehreren Streifenwagen an und erklärte per Lautsprecherdurchsage, dass die Filiale geschlossen bleibe.

Was die Sparkasse mitteilt

Auf ihrer Internetseite bat die Sparkasse Gelsenkirchen die Kunden, von einem Besuch vor Ort abzusehen. Man kläre aktuell mit der Versicherung, wie die Schadensabwicklung möglichst kundenfreundlich erfolgen könne. Alle betroffenen Kundinnen und Kunden würden informiert.

Vergleichbare Fälle in Deutschland

Einbrüche in Banktresore sind selten, aber nicht beispiellos. Der Fall in Gelsenkirchen reiht sich ein in eine Serie spektakulärer Coups:

JahrOrtSchließfächerSchaden
2025Gelsenkirchenca. 3.200ca. 30 Mio. €
2024Lübecküber 300über 10 Mio. €
2021Norderstedt (bei Hamburg)ca. 650mehrere Mio. €
2013Berlin-Steglitzk. A.Millionenbetrag

Beim Einbruch in Norderstedt 2021 waren die Täter mit einem Kernbohrer aus extra angemieteten Räumen über der Filiale in den Tresorraum gelangt. In Berlin-Steglitz 2013 baute eine Bande über ein Jahr hinweg einen Tunnel von einer Tiefgarage zum Tresorraum der Berliner Volksbank.

Polizei sucht Zeugen

Die Polizei Gelsenkirchen bittet um Hinweise aus der Bevölkerung. Gesucht werden insbesondere:

  • Personen, die zwischen dem 24. und 29. Dezember 2025 verdächtige Geräusche im Bereich Nienhofstraße / De-La-Chevallerie-Straße gehört haben
  • Zeugen, die verdächtige Personen oder Fahrzeuge im Parkhaus beobachtet haben
  • Hinweise auf einen schwarzen Audi RS 6 mit maskierten Insassen

Hinweise nimmt die Polizei Gelsenkirchen entgegen unter:
Telefon: 0209 365-0
E-Mail: poststelle.gelsenkirchen@polizei.nrw.de


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wann wurde der Einbruch entdeckt?

Der Einbruch wurde am Montag, 29. Dezember 2025, um 3:58 Uhr durch einen Brandmeldealarm entdeckt. Feuerwehr und Polizei durchsuchten das Gebäude und stießen im Keller auf die Einbruchsspuren. Die Täter hatten zu diesem Zeitpunkt das Gebäude bereits verlassen.

Wie hoch ist der Schaden?

Ermittler schätzen die Beute auf rund 30 Millionen Euro. Es wurden etwa 3.200 Schließfächer aufgebrochen, mehr als 2.500 Kunden sind betroffen. Die genaue Schadenshöhe lässt sich erst ermitteln, wenn alle Betroffenen den Inhalt ihrer Fächer dokumentiert haben.

Wie viel ist versichert?

Die Sparkasse Gelsenkirchen hat jedes Schließfach standardmäßig mit 10.300 Euro versichert. Kunden konnten jedoch individuell höhere Versicherungssummen abschließen. Die Sparkasse klärt derzeit mit der Versicherung die Schadensabwicklung.

Wann öffnet die Sparkasse wieder?

Die Sparkassenfiliale in Gelsenkirchen-Buer bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Die Bank bittet Kunden, von einem Besuch vor Ort abzusehen. Betroffene Kunden werden proaktiv von der Sparkasse informiert.

Gibt es Hinweise auf die Täter?

Überwachungsbilder zeigen einen schwarzen Audi RS 6 mit maskierten Insassen, der am Montagmorgen das Parkhaus verließ. Das Kennzeichen war aus Hannover gestohlen. Eine „heiße Spur“ gibt es bislang nicht. Die Polizei wertet Fahrzeugbewegungen und weitere Daten aus.

Was sollten Betroffene jetzt tun?

Betroffene sollten abwarten, bis die Sparkasse sie kontaktiert. Die Bank empfiehlt, den Inhalt des Schließfachs so genau wie möglich zu dokumentieren – idealerweise mit Fotos, Kaufbelegen oder Gutachten. Der Bundesverband deutscher Banken rät grundsätzlich dazu, den Inhalt von Schließfächern regelmäßig zu dokumentieren.

Fazit: Ermittlungen dauern an

Der Tresor-Einbruch in Gelsenkirchen dürfte als einer der größten Coups in die deutsche Kriminalgeschichte eingehen. Die Täter nutzten die Ruhe der Weihnachtsfeiertage, um mit professionellem Werkzeug in den Tresorraum einzudringen und Tausende Schließfächer zu plündern. Die geschätzte Beute von 30 Millionen Euro übertrifft vergleichbare Fälle der vergangenen Jahre deutlich.

Für die mehr als 2.500 Betroffenen bedeutet der Einbruch einen schweren Schlag. Viele hatten Bargeld, Gold und Schmuck – oft die Ersparnisse eines ganzen Lebens – in den Schließfächern aufbewahrt. Die Standardversicherung von 10.300 Euro pro Fach dürfte in vielen Fällen nicht ausreichen, um den tatsächlichen Verlust zu decken.

Die Polizei Gelsenkirchen ermittelt mit Hochdruck. Hinweise aus der Bevölkerung könnten entscheidend sein, um die Täter zu fassen.


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